Gott hat etwas vor mit Dir – Predigt 11. Sonntag im Jahreskreis (M. Witti)

TafelMeine Lieben,

„Als ich das überlebt hatte, da wusste ich, dass der liebe Gott noch etwas mit mir vorhat…“ – Ich staunte wohl ebenso, wie die anwesenden Firmlinge, als wir diese Worte am letzten Freitag hörten. Die Leiterin einer sogenannten „Tafel“, die ich mit den Firmbewerbern besucht habe, hat uns so von ihrem Leben erzählt. Voraus ging die erstaunte Frage, ob sie das alles denn wirklich ehrenamtlich mache. Der Aufwand, den es hier logistisch und menschlich Woche für Woche zu bewältigen gilt, ist immens. Aber die Frau lächelte nur und erzählte von einer sehr schweren Krankheit, die sie überlebt hatte. Seitdem engagiert sie sich für jene, die unter der verstecken und verschämten Armut mitten unter uns leiden. Seitdem ist sie fest davon überzeugt, „…dass der liebe Gott noch etwas mit mir vorhat…“

Dieser Satz hat bei uns allen gesessen. Da geht es einmal nicht darum, was ich so vorhabe, was ich mir für mein Leben erhoffe und erträume. Da geht es nicht um das, was man oft so vordergründig unter „Selbstverwirklichung“ versteht. Hier ging es um eine ganz andere, aber doch sehr konkrete Frage:

„Wo werde ich gebraucht?“ – „Wer ist auf meine Hilfe angewiesen?“ – „Wie schaut Gott auf mein Leben?“

Ich musste nach dieser Begegnung viel an unsere Firmlinge denken. Werden sie es spüren, dass auch diese Fragen wichtig und bereichernd für ein Leben sein können? Werden sie es erfahren, dass auch sie gebraucht werden? Werden sie erleben, dass sie durch ihr Engagement diese Welt auch immer wieder ein wenig besser und menschlicher machen können? Das alles scheint so gar nicht zu dem zu passen, was wir unseren jungen Leuten als „Selbstverwirklichung“ vorleben. Oft genug heißt es doch nur: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht…“

Ich durfte aber auch spüren, dass gerade unsere jungen Leute ein sehr gutes Gespür haben. Sie schwingen vielleicht keine großen Reden über Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Aber sie fühlen sehr intensiv, worauf es ankommt. Der Besuch bei der „Tafel“ war vielleicht nur ein kleiner Moment, eine kurze Episode im Leben. Aber Jesus erzählt an diesem Sonntag, wie auch aus kleinen Anfängen großes entstehen kann: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

 

Meine Lieben,

mir geht es ein Stück weit genauso, wie der Leiterin jener „Tafel“. Auch ich bin fest davon überzeugt, dass Gott mit Dir und mit mir, mit jeder und jedem von uns hier etwas vor hat – etwas, das sonst kein anderer Mensch so erfüllen könnte, wie Du oder ich.

Wie einst die Apostel sind nun wir gesandt

zu den Menschen heute,

um Antwort zu geben auf ihre Fragen,

um Trost zu geben denen, die trauern,

um Mut zu machen den Verzagten.

 

Wie die Apostel sind wir gesandt

mit der Botschaft der Hoffnung,

mit der Botschaft der Freude,

mit der Botschaft des Friedens,

mit der Botschaft der grenzenlosen

Barmherzigkeit.

 

Wir die Apostel sind wir gesandt,

ermutigt durch die Gemeinschaft

mit Jesus Christus,

gestärkt durch die Kraft

des Heiligen Geistes,

beauftragt durch Gottes Wort,

das immer noch neu,

immer noch unerhört ist.

 

Wie die Apostel sind wir gesandt

hinein in unsere Welt

und Zeit,

heute und morgen, jeden Tag neu.[1]

Amen.

[1] Nach Hans Würdinger, in: Liturgie konkret digital, Juni 2015

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