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zur Geschichte der Pfarrei Heiligkreuz

Foto: cl
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Die Landschaft am Hochufer der Alz entstand in der letzten Eiszeit vor mehr als 10 000 Jahren. Von Menschen besiedelt ist der Raum seit der Jungsteinzeit (3000 – 2000 v. Chr).

Schon im 8. Jahrhundert stand an der Stelle der heutigen Pfarrkirche möglicherweise eine herrschaftliche Eigenkirche. Die Quellenlage ist aber unsicher. Urkundlich wurde die Siedlung auf dem Berg mit einer Kirche erstmals 1330 in einem Urbar des herzoglichen Kastens zu Trostberg erwähnt und aus dem Jahr 1377 existiert ein Ablassbrief der dortigen Filialkirche von Feichten „auf dem Berg des heilgen Creuzs“.

Im 13. Jahrhundert wurde auch Heiligkreuz Salzburgisch und dem dortigen Erzbischof unterstellt. Die Seelsorgsstelle blieb aber durch die Jahrhunderte Filialkirche. Pfarrsitz war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Feichten. Aber schon ab 1616 war Heiligkreuz Vikariat, d.h. eigener Tochterseelsorgesprengel von Feichten mit einem eigenen Vikar, der dem Pfarrer von Feichten unterstellt war. Im Jahre 1655 wurde das Vikariat Heiligkreuz mit dem Vikariat Deinting vereint (das 1809 an Trostberg ging, dafür erhielt Heiligkreuz die Ortschaften Günzelham, Gloneck, Gunerfing, Purkering).

Ab 1803 verwaltet Freising die salzburgischen Gebiete in Bayern, die dann ab 1816 offiziell zur Diözese Freising gehörten (ab April 1818 neugegründete Erzdiözese München und Freising). Im Jahre 1822 kam Heiligkreuz dann mit Feichten zum Bistum Passau, das hier im Süden ein größeres Gebiet zugeschlagen bekam als Ausgleich für den Verlust des Innviertels und der oberösterreichischen Gebiete, in denen das Bistum Linz neu gegründet wurde.

In einer Zeit, in der es viel Priesternachtwuchs gar, wurde auch Heiligkreuz 1894 zur eigenständigen Pfarrei. Der Passauer Bischof Michael von Rampf erhob alleine in seiner Amtszeit 43 neue Pfarreien und 10 neue Exposituren im Bistum Passau.

Seit 1978 ist Heiligkreuz politisch Teil der Stadt Trostberg

 

Kirchenbau

Vom Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert ist wenig bekannt. Die heutige Sakristei ist wohl noch ein Relikt des ehemaligen Turms aus dem 14. Jahrhundert, der an dieser Stelle stand. Baubeginn für die heutige Kirche war 1434 unter dem Feichtener Pfarrer Peter von Hausen. Um immer einen verwendbaren Kirchenraum zu haben, entschied man sich für einen abschnittsweisen Neubau einer zweischiffigen Hallenkirche mit Mittelpfeiler. Der provisorische Hauptaltar stand nach dem ersten Bauabschnitt des Langhauses wohl am vorderen Mittelpfeiler, die alte Kirche gänzlich abgebrochen und die neue Apsis vollendet war. 1482 war der Bau vollendet.

Bruderschaftstaferl der Heiligkreuz-Bruderschaft (Foto: cl)
Bruderschaftstaferl der Heiligkreuz-Bruderschaft (Foto: cl)

Die eisenbeschlagene Tür vom Untergeschoß des Turmes in den Kirchenraum hinein stammt noch aus der Bauzeit.

Im Jahre 1717 kam der Kreuzpartikel als wertvolle Reliquie nach Heiligkreuz und bereits 1722 wurde die bis heute bestehende Heiligkreuz-Bruderschaft errichtet.Die Kirche wurde immer wieder im Stil der jeweiligen Zeit großzügig umgestaltet. Von der barocken und der späteren neugotische Ausstattung sind aber nur noch Relikte vorhanden.

Ein kunsthistorischer Meilenstein war 1923 die Freilegung der spätgotischen Fresken im Kirchenraum (14 Nothelfer mit Gottesmutter, Pfingstwunder und 12 Apostel, Kreuzigung Christi und Marienkrönung, Martyrium des hl. Achatius und seiner 10 000 Gefährten).

Die Kirche nach der "Purifizierung" der späten 50-er Jahre
Die Kirche nach der „Purifizierung“ der späten 50-er Jahre

Für viele Pfarrangehörige war es ein sehr einschneidendes Erlebnis, als ab 1958 eine umfassende „purifizierende Umgestaltung“ des Kirchenraumes in Angriff genommen wurde, bei der man die komplette neugotische Ausstattung des 19. Jahrhunderts aus der Kirche entfernt hat.

Kirchenraum und Ausstattung heute

Die um 1425 entstandene Pietá, wohl ein Frühwerdes des namentlich nicht bekannten „Meisters von Seeon“ aus dem sog. „Salzburger Kunstkreis“, ist sicherlich das kostbarste Stück der heutigen Ausstattung. Die heute sichtbare ursprüngliche Fassung wurde schon 1937 wieder freigelegt.

Christuskorpus am Abschluss der Apsis stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und erinnert an die Werkstatt des großartigen Barockbildhauers Thomas Schwan­thaler aus Ried im Innkreis. Beeindruckend ist hier überlebensgroß Christus im Augenblick des Todes dargestellt.

Die „Schmerzhafte Muttergottes“ im Stil des Rokoko, die im Altarraum dem Christuskorpus begeordnet wurde, stammt ursprünglich aus der Tyrlachinger Kirche.

Der Innenraum der Pfarrkirche Heiligkreuz heute

Der Innenraum der Pfarrkirche Heiligkreuz heute
Christus aus der Schwanzthaler-Schule im "Lichtkreuz" von Münch

Christus aus der Schwanzthaler-Schule im „Lichtkreuz“ von Münch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der seit Ende der 50er Jahre oft als zu nüchtern und kahl empfundene Kirchenraum erfuhr unter Pfarrer Johannes Willeitner nochmals eine umfassende Neugestaltung. Der Wiesbadener Künstler Eberhard Münch griff dabei dir Farbpalette der mittelalterlichen Fresken auf und führte sie modern im Kirchenraum aus. So ist der barocke Christus im Augenblick des Todes heute von einem österlichen Lichtkreuz aus Glas und Farbe umstrahlt, das dem Betrachter den Kern der christlichen Botschaft sinnenfällig vor Augen führt: Der Tod ist nicht das Ende, sondern das Tor zum Leben in Gottes bergender Herrlichkeit.

Mit einem Festgottesdienst am 7. Mai 2006 wurde diese Neugestaltung abgeschlossen.