Abschied von Franz Buchner, Mesner in Heiligkreuz

Foto: Limmer

Predigt von Pfarrer Michael Witti beim Trauergottesdienst für Franz Buchner am 19. März 2022 in der Pfarrkirche Heiligkreuz:

Meine Lieben,

der Franz ist sich bis zuletzt treu geblieben. Als ich ihn am Mittwoch mittags im Krankenhaus besucht habe, hat er sich gefreut – und er hat mir dann erst einmal, ganz ruhig und sachlich, seine Vitalwerte Blutdruck, Puls, etc. aufgezählt. Klar und gefasst hat er mir in die Augen geschaut und gesagt: „Das wird nix mehr…“ – Ich meinte noch, dass wir doch heuer nochmal zusammen nach Tirol fahren wollten. Doch er sagte nur: „Ich bin bald schon oben auf dem Gipfel…“

Ganz klar und gefasst hat er uns noch einmal gesagt, dass er keine intensivmedizinischen lebensverlängernden Maßnahmen möchte. Dann haben wir miteinander gebetet und ich hab ihm die Krankensalbung, das Sakrament der Stärkung auf dem Weg, gespendet. Lang hat der Franz dann meine Hand gedrückt. Sein Blick ging dann fast sehnsüchtig durchs Fenster in den Himmel hinauf. Es war, als würde er schon sehen, wer ihn dort erwartet. Um halb fünf dann, als wir in Feichten gerade alles für den Rosenkranz vorbereitet haben, hörte sein großes Herz auf zu schlagen. Betend haben wir uns am Abend von ihm verabschiedet…

Geboren wurde der Franz am 22. Mai 1950 in Mühldorf. Mit den Schwestern Ottilie und Barbara ist er dort aufgewachsen, hat er dort die Tage der Kindheit und Schulzeit verbracht. Nach einer Schreinerlehre hat er in Mühldorf die Ausbildung zum Pflegehelfer gemacht. Für die Lehre zum Krankenpfleger kam er dann nach Trostberg, wo er neben der Klinik wohnen konnte. Es folgte wenig später die Weiterbildung zur Stationsleitung.

In dieser Zeit hat er seine Liebe zu den Bergen und besonders auch zum schönen Südtirol entdeckt. Es konnte vorkommen, dass er auch mal nur für ein oder zwei Nächte nach Terlan gefahren ist, um dort Freunden bei der Gartenarbeit zu helfen.

Damals hat er dann auch Alice Tempel kennen- und lieben gelernt. 1979 haben die beiden in Trostberg geheiratet. Bald darauf hast Du, Birgit, dann das Licht der Welt erblickt und der stolzeste Papa, den man sich nur vorstellen kann, hat dich seither begleitet. 1982 konnte die ganze Familie dann ins neue Haus in Eglsee einziehen. Es war die Zeit, in der der Franz die Pflegedienstleitung hier im Trostberger Krankenhaus übernommen hat.

Der Franz hat dann die Leidenschaft fürs Campen entdeckt, hat an internationalen Rallys mit dem Wohnwagen teilgenommen und – typisch für ihn – schon damals spannende Reisen hinter den Eisernen Vorhang in den Ostblock unternommen, bis nach Russland und ans Kaspische Meer.

Anfang der 90er Jahre hat er als Pflegedienstleiter noch das entsprechende Studium an der Fachakademie in München absolviert. Damals erwachte sein historisches Interesse für die Stadt Wien und die Geschichte der Habsburger. Unzählige Bücher und die Erinnerung an schöne Reisen erzählen bis heute davon.

2002 musste er von seinem Vater und zwei Jahre später von der Mutter Abschied nehmen. Schwer hat es ihn und Euch getroffen, als 2007 seine Alice erkrankte. Am 16. März 2009, auf den Tag genau 13 Jahre vor dem Franz, ist sie gestorben. Ich durfte damals den Franz kennenlernen. Sachlich, geradlinig, ehrlich, liebenswert, so erschien er mir. Und in den Jahren wurde er mir ein guter Freund, fast ein Stück „Familie“ hier.

Oft hat er erzählt von Festgottesdiensten mit großer Kirchenmusik und wunderbaren Konzerten, vor allem in Salzburg, aber auch andernorts. Wenn er weg konnte, hat er Musik und Kultur immer genossen. Auch hier war er stolz auf unsere Kirchenmusiker und den Chor. Der Besuch im Caféhaus und ein gutes Essen durften dabei nie fehlen. Auch wenn wir gelegentlich beisammensaßen, redeten, lachten, war er gutem Essen und Trinken nicht abgeneigt. Ich seh ihn noch bei mir daheim verschmitzt grinsend sagen: „Ein Bier geht schon… Daheim passt die Birgit eh immer so auf mich auf…“

Nachdem der aktiven Zeit im Krankenhaus begann hier bei uns sein „Unruhestand“. Mit viel Begeisterung, Engagement und – auch wenn er so wohl wo nie zugegeben hätte – durchaus mit berechtigtem Stolz war er einer der Mesner hier in Heiligkreuz. Egal, was mir auch immer eingefallen ist: Der Franz zog maximal kurz erstaunt die Augenbrauen hoch und dann kam es aus tiefster Seele: „Das machen wir schon…“ Bis zuletzt war hier hier Mesner, Lektor und Kommunionhelfer – und vor allem auch mit die gute Seele in der Sakristei und in der Kirche. Er war darüberhinaus im Pfarrgemeinderat aktiv und bei der Kolpingfamilie dabei.

Anfangs hat er noch zwei Jahre lang den Ralf hier in Heiligkreuz im Laden unterstützt. Er liebte die Atmosphäre am Münchner Großmarkt und hat immer wieder auch tolle Waren mitgebracht.

Dann kam im Januar 2016 die Diagnose Leukämie. Eine schwere Zeit begann. Ich erinnere mich gut, wie ich ihn in München Rechts der Isar besucht habe. Es fiel ihm schwer, aber er hat nicht resigniert. Ganz sachlich hat er aufgezählt, wie denn jetzt seine Chancen stünden. In dieser Zeit haben wir dann auch seine Schwiegermutter zu Grabe getragen. Nach der Zeit im Krankenhaus war er anfangs noch sehr schwach. Viel Unterstützung bekam er damals von seinen Schwestern, von Uli Schneider, Monika Enghuber und Ilse. Sie haben ihm geholfen, wieder kraftvoll ins Leben zurückzufinden. Du, Birgit, bist ja auch schon seit 2007 wieder im Haus gewesen. Ohne Dich, hätte der Franz das alles nicht geschafft. Dankbar hat mir das immer wieder gesagt.

Er kam wieder zu Kräften, war wieder als Mesner hier bei uns und hatte auch wieder die Kraft zum Reisen und das Leben zu genießen.

Ich seh ihn noch, wie er dann zum 70. Geburtstag die handgemachte Lederhose bekommen hat, die fortan sein ganzer stolz war. Aber diese Zeit war auch für ihn dann mit großen Einschränkungen verbunden, durch die Corona-Pandemie. Umso größer war die Freude, als wir den eigentlich runden Geburtstag dann nachfeiern konnten. Lachend war er da im Kreis der Familie und Freunde.

Ab November dann wurde nach einem grippalen Infekt sein Herz   zunehmen schwächer. Ein Schrittmacher schaffte nur kurzzeitig Erleichterung. Trotz aller Bemühungen der Ärzte bis zuletzt hörte am Mittwoch sein Herz zu schlagen auf. Ganz ruhig ist der Franz zu seinen Lieben in die Ewigkeit hinübergegangen

 

Meine Lieben,

ohne große Wort, aber tief vertrauend, durfte ich den Franz auch in vielen Gesprächen als wachen, kritischen, tief im Glauben verwurzelten Menschen erfahren, bis zum letzten Vaterunser an seinem Krankenbett. Er hat jetzt den Gipfel des Lebensberges erreicht. Dort hat ER ihn heimgeholt, den die Jünger im Evangelium nur kurz auf dem Berg in Gottes Herrlichkeit erahnen durften.

Im Blick auf Gott, der ihn nun liebevoll in Händen hält, möchte ich heute nicht einfach nur „Danke“ sagen, das wäre zu wenig…

Franz, „Vergelt’s Gott“ für alles!

Amen.

Zweite Lesung und Evangelium vom 2. Fastensonntag – Lesejahr C

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