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Heilsame Wunder – auch heute noch (Predigt 13. Sonntag im Jahreskreis/M. Witti)

Foto: pfarrbriefservice.de
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Liebe Schwestern und Brüder,

„Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.“ – Die unbändige Hoffnung wider alle Hoffnung, die aus diesen Worten des Synagogenvorstehers spricht, musste ich auch immer wieder erleben. Ich habe Menschen erlebt, die gebetet und gefleht haben, die Heilung geradezu von Gott mit Versprechen und Gelübden erzwingen wollten, um nicht endgültig zu verzweifeln, besonders wenn es um schwer- und schwerstkranke Kinder ging.

Hilflos bin ich da dann daneben gestanden, schweigend, oft einfach nur zuhörend, vor allem wenn klar war, dass die Ärzte längst aufgegeben hatten. Oft schien es, als wäre hier gerade für Eltern der Glaube an ein mögliches Wunder eine letzte Fluchtburg, um die Brutalität einer tödlichen Diagnose noch nicht an sich heranlassen zu müssen.

Damals geschah das Wunder – und immer wieder im Laufe der Geschichte gibt es Heilung auch dort, wo sie nach menschlichem Ermessen nicht mehr möglich gewesen wäre. Auch das durfte ich schon erleben.

Aber oft und oft hab ich eben mit Menschen auch das Gegenteil erlebt. Kein Wunder geschah. Die Krankheit blieb, das Leiden dauerte an, der Tod rückte näher.

Dennoch waren es für mich oft gerade jene Menschen, die trotz aller Gebete nicht erhört wurden, die mir aber geholfen haben, andere „Wunder“ zu erleben. Es waren Menschen, deren Krankheit blieb, die aber dennoch geheimnisvoll, ja, für mich wirklich wunderbar dennoch eine ganz andere Art von Heilung erfahren haben: Menschen, die mitten in Krankheit und Leid irgendwann begannen, eine tiefe Ruhe auszustrahlen, weil sie sich versöhnen konnten mit ihrem Schicksal, mit den Höhen und Tiefen des eigenen Lebens, mit dem, was unausweichlich auf sie zu kam.

Diese Menschen haben nicht selten eine Kraft ausgestrahlt, mit der sie noch im eigenen Elend andere aufrichten und stärken konnten. Bei ihnen konnte ich für mich wirkliche „Wunder des Glaubens“ erfahren, konnte ich spüren, welche Kraft auch heute noch von diesem Jesus ausgeht.

 

Meine Lieben,

ich weiß nicht, wie ich selber reagieren würde, wenn mich das Schicksal ähnlich schlagen würde, wie den Vater Jairus aus dem Evangelium. Ich weiß nicht, ob ich – so, wie er – wider jede Hoffnung hoffen könnte, oder ob ich verzweifeln würde.

Ich kann mir heute nur eines wünschen: Dass ich dann, wenn ich es im Leben am meisten brauche, ein wenig von jener Kraft spüren darf, die bis heute von Jesus ausgeht.

Dass ich – wenigstens ein klein wenig – erleben darf, was Marie-Luise Langwald poetisch so umschreibt:

Ich habe mich an ihn herangedrängt. Ich habe ihn berührt und habe gehofft. Und er hat mich nicht geheilt. Geheilte Frau, hilf mir verstehen, dass er mich dennoch sieht, dass er mich dennoch liebt, dass er mich dennoch rettet. Hilf mir glauben, dass er mich heilt – vielleicht anders. Hilf mir glauben: Er will mein Heil.

Amen.

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