„I mog di!“ -Predigt zum Tag der Ehejubilare im Pfarrverband

dsc_2892Meine Lieben, liebe Ehejubilare aus unserem Pfarrverband,

„Ich liebe Dich!“ – oder in unseren Breitengraden eher „I mog Di!“ – wie oft sagen Sie das zueinander? Böse Zungen behaupten ja, dass auch solche Worte mit den Jahren immer seltener würden. Wenn man schon mal so lange zusammen ist, dann weiß man doch auch, was man am anderen hat. Da musst man sich das nicht ständig vorsagen, oder?

So ähnlich haben wohl auch die neun geheilten Juden gedacht, die nicht zu Jesus zurückgekehrt sind. Aber sie haben dafür auch brav getan, was Jesus ihnen gesagt hat. Sie haben getan, was sich gehört, weil es im jüdischen Gesetz so steht. Sie haben sich den Priestern gezeigt. Die haben sie offizielle für „rein“ erklärt. Und dann haben sie auch – so wie es sich gehört – Gott „Danke“ gesagt. Sie haben im Tempel ihr „Dankopfer“ dargebracht, wie es sich gehört. Der andere, der Samariter, der Ausländer, der, der nicht hierher gehört, der hätte das so ja gar nicht tun dürfen. Den hätten die Priester nicht angeschaut und im jüdischen Tempel hätte er auch kein Dankopfer darbringen dürfen. So ging er halt zu Jesus und dem – von Angesicht zu Angesicht – „Danke“ gesagt. Was war daran nun besser, als bei den anderen neun? Das Opfer der Neun  im Tempel ist ritualisiert. Es ist ein Dank, der gewissermaßen nach Vorschrift vollzogen wird. Es ist ein formaler Dank, der schon rein äußerlich wenig Raum lässt für Gefühle, für Beziehungen, für Leben. Ganz anderes ist das beim Samariter. Er hat seinen Dank in Worte gefasst, ihn von Angesicht zu Angesicht dem anderen zugesagt, voller Gefühl, mit leuchtenden Augen. Hier konnte eine Beziehung wachsen, die – über die körperliche Heilung hinaus – das ganze weitere Leben prägen kann.

Meine Lieben, die ihr gemeinsam die Ehe lebt,

ihr wisst sicher noch sehr genau, wie Ihr zum ersten Mal einander voller Gefühl, mit klopfendem Herzen und leuchtenden Augen gesagt habt: „I mog Di!“ – „Ich liebe Dich!“ Und Ihr wisst ebenso gut noch, wie es war, als Ihr dann einander Euer „Ja“ geschenkt habt, als Ihr gespürt habt, dass Gott selber zu Euch „Ja“ sagt und Eure Liebe und Euer Leben mit seinem Segen begleiten will. Das ist jetzt bei den einen gerade mal ein Jahr, bei anderen 10, zwanzig, fünfundzwanzig, fünfzig oder mehr Jahre her. Sicherlich gab es in dieser Zeit auch Phasen des Alltags, Tage, an denen man einfach aus der Gewohnheit heraus miteinander gelebt hat, gewissermaßen routiniert und ritualisiert den gemeinsamen Weg gegangen ist. Wenn es aber nur dabei bleibt, wenn man dem Gegenüber nicht mehr sagt, welche Gefühle einen umtreiben, was einen im innersten bewegt, was man aneinander schätzt und füreinander empfindet, dann ist das oft der Tod der Liebe, das Ende des Miteinanders.

Ich glaube das Geheimnis Eurer Liebe, das Euch heute in Dankbarkeit hierher geführt hat, ist auch die Kernbotschaft des heutigen Evangeliums: Das spektakuläre Wunder der Heilung alleine genügt für ein Leben ebenso wenig, wie eine noch spektakuläre Hochzeitsfeier für die gemeinsame Zukunft. Wichtig und wertvoll ist letztlich die Beziehung die hier beginnt, das neue Leben, das daraus hervorgeht. Das aber will gepflegt werden. Das braucht immer wieder das klopfende Herz, die leuchtenden Augen, die Worte voller Gefühl. Dann erst konnte bei jenem Samariter das ganze Leben wirklich neu beginnen. Dann erst könnt auch Ihr in Eurer Ehe Euch jeden Tag neu aufmachen in jeden neuen Tag, den Gott Euch schenken will. Dazu erbitten wir alle gemeinsam nun Gottes Guten Segen für Euch!

 

(Text: Witti/Bild: Limmer)

 

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