Begegnung schenkt Kraft – Predigt zum 4. Advent (Witti)

4. AdventMeine Lieben,

„Schön dass du da bist!“ – Ich hoffe sehr, dass jeder und jede von Ihnen schon einmal so etwas von jemandem hören durfte. Das sind dann Begegnungen, die einfach gut tun, ein Zusammentreffen mit lieben Menschen, das wohltuende Spuren hinterlässt. So etwas hilft, mach das Leben lebenswert!

BEGEGNUNG in diesem tiefen menschlichen Sinne, das ist auch die große Botschaft des heutigen Evangeliums.

Da ist zum einen Maria. Eben erst hat sie die unglaubliche Botschaft bekommen, dass sie ein Kind erwartet, dem großes vorhergesagt wurde.

Maria – sie hängt dann wohl gefühlsmäßig irgendwo zwischen Himmel und Erde, zwischen Hoffen und Bangen. Wie soll es weitergehen? Ein lediges Kind zur damaligen Zeit, was das heißt, können wir uns heute nicht annähernd vorstellen. Wie wird ihr Josef reagieren? Wird er sie mit Schimpf und Schande fortjagen? Oder gilt, was der Engel ihr gesagt hat: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast vor Gott Gnade gefunden…“

Maria hält das alleine nicht mehr aus. Sie macht sich auf, eilends, wie der Evangelist ausdrücklich bemerkt. Sie bricht auf, um all diese Erfahrungen zu teilen, mit Elisabet, ihrer Verwandten. Auch an Elisabet, der Unfruchtbaren, für die im Alter die Jahre des Gebärens längst vorüber sind, ist ja wunderbares geschehen. Auch sie erwartet einen Sohn.

Und dann geschieht es im Haus des Zacharias, in der Stadt im Bergland von Judäa: Die beiden Frauen begegnen einander lassen einander spüren: „Schön, dass du da bist!“ Laut ruft Elisabet ihr entgegen und herzlich fallen sie sich wohl in die Arme.

BEGEGNUNG ereignet sich; BEGEGNUNG die Kraft gibt, die trägt. Lukas geht in seiner Schilderung der Szene noch weiter, indem er andeutet, dass auch die beiden Söhne, mit denen die Frauen noch schwanger gehen, einander begegnen.

Diese tiefe Begegnung hat Bedeutung, weit über den Augenblick hinaus. Auch wenn die beiden Frauen noch nicht wissen, was ihnen noch alles bevorsteht, scheint diese Begegnung schon alles in sich zu tragen. Sie scheint ihnen aber auch die Kraft zu geben, all das zu ertragen, was noch kommen mag: Denn der Sohn der einen wird auf Befehl eines Gott und Menschen verachtenden Königs im Gefängnis geköpft und der Sohn der anderen vor den Mauern Jerusalems unter den Verbrechern am Schandpfahl gekreuzigt…

Maria und Elisabet, sie werden die Kraft brauchen, die diese Begegnung ihnen gibt, wenn sie ertragen sollen, was Gott ihnen zumutet, wenn sie die Wege gehen wollen, auf denen letztlich GOTT ihnen begegnen will…

Meine Lieben,

auch Dir und mir will GOTT begegnen, nicht nur zu Weihnachten, aber vielleicht wird es uns in diesen Tagen bewusster. Er will uns begegnen, nicht nur in kunstvoll geschnitzten hölzernen Nachbildungen des Kindes in der Krippe, sondern ganz real, mitten im Leben.

Wie das aussehen könnte, das beschreibt der Jesuit Theo Schmid­konz in einer Betrachtung zum heutigen Evangelium so:

Maria hat es eilig.

Die Liebe kann nicht warten.

Sie muss zupacken, wo Not handgreiflich ist.

Es fehlt Maria nicht an Arbeit.

Sie trägt ein Kind unter dem Herzen.

Aber sie denkt an Elisabet.

Diese ist in größerer Bedrängnis.

 

Maria eilt in das Gebirge,

sie eilt in die Stadt.

Sie geht dorthin,

wo sie gebraucht wird.

 

Glaube muss sich notwendig

Auswirken in Liebe.

Der Glaubende bittet nicht ständig,

Gott möge eingreifen,

Gott möge etwas tun.

 

Der Glaubende tut alles,

was er mit eigener Kraft kann

und wozu Gott ihm die Kraft gibt.

Der Glaubende übersteigt jeden Berg.

Denn seine Kraft ist die Liebe.

 

Elisabet und Maria –

zwei Menschen begegnen einander.

Viele Menschen begegnen sich täglich

und begegnen sich in Wahrheit – nie.

Viele treffen sich oft.

Aber nur wenige treffen sich wirklich.

Meine Lieben,

Gott will uns begegnen, mitten in unserem Alltag. Aber wir werden IHM nur begegnen, wenn wir die Fähigkeit haben, auch einander ganz menschlich, tief und echt zu begegnen. Gott wurde Mensch, weil er uns in den Augen eines jeden Menschen jeden Tag neu begegnen will, weil er uns durch liebe Menschen spüren lassen will:

„Schön, dass du da bist!“

Amen.

(Text/Bild: Witti)

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