Jubel – oder doch ans Kreuz mit Ihm (Predigt) – Palmsonntag im Pfarrverband

In allen vier Pfarreien wurde am Sonntag der Palmsonntag festlich gefeiert. In Wald sogar am Samstag schon mit einer Kinderkirche für die ganz kleinen. Auf verschiedenste weise feierten die Gemeinden diesen Tag, der die Heilige Woche auf Ostern hin einläutet: In Hart gab es die Passion für Kinder, in Wald gab es eine Passion mit Symbolen, in Feichten war ein echter Esel zu sehen wie bereits im Letzten Jahr aber auch ganz traditionell wurde, in Heiligkreuz ,die Passion aus dem Lukasevangelium gelesen.

Ein sehr vielseitiges Angebot, dass auch in diesem Jahr wieder angeboten werden konnte. Vielen dank an die vielen, die uns diese reiche Auswahl im Pfarrverband ermöglichen.

Predigt zum Palmsonntag von Pfarrer Michael Witti:

Kreuz_DornenMeine Lieben,

kann es wirklich sein, dass Menschen so manipulierbar sind? Da war erst der frenetische Jubel beim Einzug Jesu in Jerusalem. Zum König hätte das Volk ihn am liebsten gemacht. Alle Hoffnungen auf Freiheit und eine gute Zukunft schienen sich ihn ihm zu erfüllen. Es war – rein äußerlich betrachtet – wohl der größte Triumpf Jesu, als er vor dem großen Fest so in Jerusalem einzog. Aber der Jubel dauerte nicht lange. Bald schon schrie die gleiche Menge aus Leibeskräften: „Ans Kreuz mit ihm!“

Wie kann es binnen weniger Tage zu einem brutalen Umschwung der Meinung kommen? Die Evangelien versuchen das plausibel zu machen. Immer wieder heißt es, eine wohl kleine, aber einflussreiche Gruppe der Oberschicht hätte das Volk aufgewiegelt. Die Ursache dafür war aber wohl nicht der triumphale Einzug Jesu in Jerusalem. Das war bestenfalls noch der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Schon lange war ihnen dieser Jesus ein Dorn im Auge. Seine Botschaft von der Menschlichkeit, von der Liebe, von einem grenzenlos barmherzigen Gott, drohte ihre strikte, vom sturen Gesetzesgehorsam geprägte Welt, auf den Kopf zu stellen. Für Liebe und Barmherzigkeit, auch für Fremde, Außenseiter und Randgruppen war kein Platz, wo klare Regeln das Volk in Zaum halten sollten. Lange schon war ihnen klar: „Dieser Jesus muss weg, um jeden Preis!“ Und so gelang es einigen wenigen mit ihrer üblen Propaganda das Volk so weit aufzuhetzen, dass schließlich unschuldiges Blut floss…

Annähernd 2000 Jahre liegt das zurück. Was haben die Menschen, was haben wir Christen, seither dazu gelernt? – Wir leben heute hier in einem Land, das 2016 ein Wohlstandsniveau erreicht hat, wie niemals zuvor in seiner langen Geschichte. Die Wirtschaft brummt, ohne dass uns die wirtschaftliche Krise, die Europa in den letzten Jahren durchleben musste, auch nur nennenswert berührt hätte. Niemals zuvor gab es solch hohe Steuereinnahmen in Bund, Ländern und Gemeinden. Das Privatvermögen der Bundesbürger und ihr durchschnittlicher Konsum – quer durch alle Gesellschaftsschichten – sind ungebremst hoch. Die sozialen Sicherungssysteme wären bereit, Menschen aufzufangen, die das brauchen. Immer wieder bin ich selber auch mit Menschen aus unserem Pfarrverband auf Ämter gegangen und immer konnten wir gemeinsam den Betroffenen gute Lösungswege anbieten, die die meisten dann auch angenommen haben.

Es geht uns hier in der Bundesrepublik so gut, wie niemals zuvor in der ganzen Geschichte der deutschen Nation. Dennoch verbreiten gewissen, an sich relativ kleine Kreise Angst und Panik, angesichts der weltweiten Flüchtlingsbewegungen. Zwar hat Deutschland, hat die deutsche Wirtschaft, an den Ursachen dieser Fluchtbewegungen, sowohl im Blick auf den Krieg, als auch auf die nackte Armut, jahrzehntelang gut verdient, die Verantwortung dafür wollen aber viele – auch in anderen europäischen Ländern – nicht übernehmen. Stattdessen wird die Saat des Hasses geschickt unters Volk gebracht. Einige wenige schaffen es offenbar, tausenden eine Krise einzureden, die wir eigentlich nicht haben, wenn wir einfach nur nüchtern auf die Zahlen schauen.

Wer hat denn lautstark gegen die Bankenrettung protestiert, die zig Milliarden gekostet hat; die einige wenige reich gemacht hat, ohne dass man sie für ihr Verschulden zur Rechenschaft gezogen hat? Wer protestiert dagegen, wenn derzeit die großen Energieversorger, nachdem sie jahrzehntelang unvorstellbare Profite gemacht haben, nun, die noch gar nicht absehbaren Milliardenkosten der immer noch ungeklärten Entsorgung des Atommülls, gerichtlich der Allgemeinheit aufbürden wollen?

Gut, hier fallen Proteste schwer, denn die, die man hier anklagen müsste, können sich ja mit allen nur denkbaren Mitteln zur Wehr setzen. Andere können das nicht. Da gibt es leichtere Opfer, mit denen man gezielt Stimmung machen kann… Traurig ist nur, dass auch etablierte Politiker, die auf unser Grundgesetz einen Eid geschworen haben, viel zu oft in diese Polemik der Unmenschlichkeit miteinstimmen.

Meine Lieben,

gerade in diesen Tagen bin ich stolz, getaufter und gefirmter Christ zu sein. Unsere Kirchen gehören zu den wenigen, die aus der Passion Jesu gelernt haben, die hier und heute deutlich die Stimme erheben für Toleranz, Menschlichkeit, Barmherzigkeit. Einzelne Bischöfe folgen auch bei uns dem mutigen Beispiel von Papst Franziskus und vor allem den Ordenschristen, die klar Stellung beziehen in Politik und Gesellschaft, gebührt hier mein tiefster Respekt.

„Hosianna!“ oder „Kreuzige ihn!“ – Wo ist mein Platz als Christ in all den Fragen der heutigen Welt? Die Passion Jesus und das Wechselbad der Gefühle am heutigen Palmsonntag geben mir darauf eine eindeutige Antwort!

Amen.

(FOTO: Winszczyk)

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