„Kirche ohne Grenzen und Mutter aller“ (Papst Franziskus)

Predigt zum Kirchweihfest 2014 in der Pfarrkirche Heiligkreuz (M. Witti)

Meine Lieben,

„Was ist Kirche?“ – Diese Frage beschäftigt mich heuer am Kirchweihfest noch eindringlicher als sonst. Am Freitag war (hier) in Heiligkreuz eine außerordentliche Bürgerversammlung. Anlass waren die maximal 35 Flüchtlinge, die als Asylbewerber zum 1. Advent in die Pfarrei Heiligkreuz kommen. Als ich am Freitag nachhause gefahren bin, war ich stolz und dankbar, hier Pfarrer sein zu dürfen. Ich war stolz auf die offenen Worte bei der Diskussion und ich war überwältigt von den vielen Hilfsangeboten, die mich direkt bei der Versammlung oder auch noch später über Facebook erreicht haben.

Papst Franziskus bei der Fußwaschung - Gründonnerstagsliturgie 2014
Papst Franziskus bei der Fußwaschung – Gründonnerstagsliturgie 2014

„Was ist Kirche?“ – Papst Franziskus gibt auf diese Frage in seiner am 3. September erschienenen „Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings 2015“ eine klare Antwort: „Die Kirche ist ohne Grenzen, Mutter aller…“

Franziskus legt uns allen – besser als ich es heute könnte – folgendes ans Herz. Er schreibt:

„Aufgabe der Kirche, der Pilgerin auf Erden und Mutter aller, ist es…, Jesus Christus zu lieben, ihn anzubeten und ihn zu lieben, besonders in den Ärmsten und den am meisten Vernachlässigten; zu ihnen gehören gewiss die Migranten und die Flüchtlinge, die versuchen, harte Lebensbedingungen und Gefahren aller Art hinter sich zu lassen.

Die Kirche ohne Grenzen und Mutter aller verbreitet in der Welt die Kultur der Aufnahme und der Solidarität, der zufolge niemand als unnütz, als fehl am Platze oder als Auszusondernder betrachtet wird… Sie kommt den Menschen im Gebet wie in den Werken der Barmherzigkeit nahe. Heute nimmt all das eine besondere Bedeutung an. In einer Zeit so umfangreicher Migrationen verlässt nämlich eine große Zahl von Menschen ihre Ursprungsorte und tritt die gewagte Reise der Hoffnung an mit einem Gepäck voller Sehnsüchte und Ängste, auf der Suche nach menschlicheren Lebensbedingungen. Nicht selten lösen jedoch diese Wanderungsbewegungen auch in kirchlichen Gemeinden Misstrauen und Feindseligkeiten aus, noch bevor man die Geschichten des Lebens, der Verfolgung oder des Elends der betroffenen Menschen kennt. In dem Fall geraten Verdächtigungen und Vorurteile in Konflikt mit dem biblischen Gebot, den bedürftigen Fremden mit Achtung und Solidarität aufzunehmen.

Einerseits wird man im Innersten des Gewissens den Ruf gewahr, das menschliche Elend zu berühren und das Liebesgebot in die Tat umzusetzen, das Jesus uns hinterlassen hat, als er sich mit dem Fremden, dem Leidenden und mit allen unschuldigen Opfern von Gewalt und Ausbeutung identifizierte. Andererseits verspüren wir aber aufgrund der Schwäche unserer menschlichen Natur »die Versuchung, Christen zu sein, die einen sicheren Abstand zu den Wundmalen des Herrn halten« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 270). Der Mut des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe ermöglicht es, die Abstände zu vermindern, die uns von den menschlichen Tragödien trennen. Jesus Christus ist immer in der Erwartung, in den Migranten und den Flüchtlingen, in den Vertriebenen und den Heimatlosen erkannt zu werden, und auch auf diese Weise ruft er uns auf, die Ressourcen zu teilen und manchmal auf etwas von unserem erworbenen Wohlstand zu verzichten…

Auf die Globalisierung des Phänomens der Migration muss mit der Globalisierung der Nächstenliebe und der Zusammenarbeit geantwortet werden, um die Lage der Migranten menschlicher zu gestalten…“

 Papst Franziskus wendet sich aber auch direkt an jene Menschen, die nun auch zu uns (hier) kommen werden. Er schreibt:

„Liebe Migranten und Flüchtlinge! Ihr habt einen besonderen Platz im Herzen der Kirche, und ihr helft ihr, die Dimensionen ihres Herzens zu erweitern, um ihre Mutterschaft gegenüber der gesamten Menschheitsfamilie zum Ausdruck zu bringen. Verliert nicht eure Zuversicht und eure Hoffnung! Denken wir an die in Ägypten im Exil lebende Heilige Familie: Wie sich im mütterlichen Herzen der Jungfrau Maria und im fürsorglichen Herzen des heiligen Josefs das Vertrauen hielt, dass Gott uns niemals verlässt, so möge es auch euch nie an diesem Vertrauen auf den Herrn fehlen. Ihrem Schutz vertraue ich euch an und erteile euch allen von Herzen den Apostolischen Segen.

Meine Lieben,

ich glaube, wir können gemeinsam mit den Schwestern und Brüder in Not, die zu uns kommen werden, etwas unendlich Wichtiges und Kostbares lernen. Wir können lernen, was auch wir hier – nach den Worten von Papst Franziskus – als Kirche vor Ort sind und immer noch mehr werden können:

„Die Kirche ist ohne Grenzen, Mutter aller…“

Amen.

(Foto: Pfarrbriefservice.de)

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