LIEBE – Christsein konkret… (Predigt 7. Sonntag d. Osterzeit – M. Witti)

Foto: pfarrbriefservice.de
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Meine Lieben,

lange schon hat mich kein Text mehr so berührt, wie dieses Gedicht von Werner Gurschler. Es ist überschrieben mit „Unerklärlich“ und lautet:

Sie, die bei den Ärmsten lebte  diese betreute  die noch so viel Arbeit und Mühe  nicht scheute  sah sich bei den „Zivilisierten“  einige Heime an  war erstaunt – und fragte dann:  Warum machen so viele Menschen hier  ein erdrückendes Gesicht  erklärt mir – warum lachen die nicht??

Bei uns herrscht Hunger  es regiert das Leid  doch die Ärmsten lächeln  in Zufriedenheit!!  Ihr hier habt die Mittel  alles geregelt – und Überfluss  doch, es fehlt Glanz in diesen Augen  – so traurig  voll Verdruss!

Sie sind so sauber  gewaschen und gekämmt  doch etwas geht da vor  etwas ihr Lächeln hemmt! Ich spüre eine Art Not  die es bei den Meinen nicht gibt – fühlen sich diese Menschen  etwa nicht geliebt?

Diese Zeilen zeigen mir, wie paradox wir oft leben, in unserem reichen armen Land. Wir haben so vieles, ja, verglichen mit drei Milliarden Menschen in aller Welt, haben wir geradezu alles, was unser Herz begehrt. Das Wichtigste fehlt aber immer mehr von uns von Kindesbeinen an.

Ich weiß nicht, ob es allein der Wohlstand ist, der materielle Reichtum, der uns innerlich so arm werden lässt. Ich weiß nur, dass mir meine kleine Cousine vieles erzählt hat, das diesem Gedicht recht ähnlich ist. Sie war für einige Zeit als Krankenschwester in Uganda. Mit dem Fahrrad ist sie oft in die Dörfer gefahren, um den Menschen medizinisch und pflegerisch zu helfen, mit Mitteln, die bei uns jeder Beschreibung spotten würden. Sie wurde dort mit ungeheurer Armut konfrontiert und hat wohl erst einmal einen mittleren „Kulturschock“ erlebt. Aber sie hat bei den Menschen dort, vor allem auch bei den Kindern, eine so unvorstellbare Herzlichkeit und auch Lebensfreude erlebt, wie wir sie uns hier wohl gar nicht vorstellen könnten, schon gar nicht unter solchen Umständen. Die Armut dort hat sie reich gemacht. Wenn sie von Uganda erzählt, dann sagt ihr Blick noch viel mehr, als ihre Worte. Dort, bei den Menschen, die ihr so ans Herz gewachsen sind, hat sie dann auch geheiratet, hat sie „Ja“ gesagt zur Liebe ihres Lebens.

Meine Lieben,

„Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“ Vielleicht hatte der heilige Johannes ähnliche Bilder im Kopf, als er einst diesen Brief geschrieben hat, ähnliche Bilder, wie ich sie heute vor Augen habe, wenn ich an das eingangs erwähnte Gedicht denke.

Wie vieles, das mir im Leben so wichtig erscheint, das mich oft so viel Kraft kostet, ist aus dieser Sicht letztlich nebensächlich, ja, unwichtig? Was allein, macht mein Leben wirklich innerlich reich, wertvoll und lebenswert?

Ein Mensch, der an Jesus Christus glaubt, ist sicherlich nicht automatisch ein besserer Mensch im moralischen Sinne. Aber er hat die Chance anders zu leben, als viele andere es tun. Er hat die Chance, tiefer zu blicken, tiefere Werte zu erkennen, wenn er den Mut hat, vom Weg Jesu nicht nur zu reden, sondern auch immer wieder versucht, diesen Weg – mitten unter den Menschen – zu gehen.

Mit keiner Macht der Welt kann ich meinem Leben mehr Jahre geben, aber ich kann in den Fußspuren Jesu meinen Jahren mehr Leben geben! Den Weg dafür will mir Johannes heute weisen, wenn er sagt:

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“

Amen.

 

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Ein Kommentar

  1. Maximilian Kalleder

    Das ist mein absolutes „Lieblingszitat“
    1. Joh. 4, 16 ….

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