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„Wie geht es mit der Pfarrei weiter?“ – Predigt 19. Sonntag im Jahreskreis

1 (10)Meine Lieben,

da konnte man momentan schon erschrecken! Eigentlich wussten wir zwar alle, wie es in etwa steht, aber wenn man es dann so ganz ungeschminkt und klar präsentiert bekommt, ist das auf den ersten Blick nicht einfach. Gemeinsam mit den Kirchenpflegern und Pfarrgemeinderatsvorsitzenden war ich am Mittwoch vor einer Woche zu einer Informationsveranstaltung des Ordinariates eingeladen. Im ersten Teil wurde uns das bereits veröffentliche Vermögen des Bistums vorgestellt. Das war eher beruhigend, auch im Blick auf die Pfarrgemeinden. Im zweiten Teil allerdings wurden die wahren Sorgen vieler Verantwortlicher im Bistum und in den Pfarrgemeinden angesprochen. Der Priestermangel wird in den kommenden Jahren kaum leichter werden. Allein mit ausländischen Priestern können die Lücken aber auch nicht aufgefüllt werden. Noch dramatischer ist der zu erwartende Einbruch bei den Pastoral- und Gemeindereferenten, was mich sehr erstaunt hat. Da war die Stimmung erst mal ein wenig geknickt, angesichts dieser ehrlichen Analyse.

Wie soll es weitergehen in unseren Pfarrgemeinden, in unseren Dekanaten, in unserem Bistum?

Rasch wurden im Gespräch Ängste deutlich, die in den Pfarrgemeinden existieren. Da hieß es dann plötzlich man könne nicht alles „von oben“ entscheiden, man müsse die Leute fragen. Dass dieser Abend genauso ein Anfangsimpuls für einen gemeinsamen Weg mit den Menschen auf allen Ebenen sein sollte, war manchem in der Aufregung nicht gleich klarzumachen. Interessant war auch der – mehr oder weniger klar – geäußerte Wunsch, dass doch alles einfach so bleiben solle, wie es ist. Dass das aber angesichts der personellen Entwicklung gar nicht möglich ist, schien mitunter schwer vermittelbar. Dabei liegt es doch auf der Hand: Wie viele verschiedene Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten haben hier in unseren vier Pfarreien in den letzten 30, 40 Jahren Dienst getan? Und wie viele Menschen hier aus unserer Mitte haben im gleichen Zeitraum einen dieser kirchlichen Dienste als ihre Lebensaufgabe ergriffen? Angesichts all dieser Fragen erscheint mir ein Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium wichtig:

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!“

Furcht ist ein schlechter Ratgeber, das wurde schon an jenem Abend spürbar. Die Verantwortlichen des Bistums haben dann erzähl, wie sie verschiedene Modell in anderen Diözesen angeschaut und geprüft haben. Nicht alles kommt für uns hier in Frage. Andernorts wurden viele Gemeinden aufgelöst und riesige Pfarreien mit über zehn oder fünfzehntausend Menschen gebildet. Das soll hier nicht geschehen. Keine Pfarrei soll aufgelöst werden. Aber jede Pfarrgemeinde wird sich die ernsthafte Frage stellen müssen: Sind wir so, wie wir jetzt dastehen, auf Dauer lebensfähig? Haben wir Menschen, die die Dienste und Aufgaben auch morgen noch wahrnehmen, die wir brauchen, um eine lebendige Gemeinde sein zu können? Wie viele von uns hier werden in zehn oder 15 Jahren noch die Gottesdienste besuchen? Besprochen wurde eine stärkere Kooperation der Pfarrverbände untereinander. Hier wäre sicher noch manches möglich, auch wenn künftig die Seelsorgeeinheiten noch größer werden müssen.

Meine Lieben,

das alles sind Fragen, die über unsere Zukunft als Pfarrgemeinde vor Ort entscheiden werden. Gerade deshalb aber sind es auch Fragen, die wir nicht alleine mit Sitzungen und Planungsrunden beantworten können. Diese Fragen spornen mich vielmehr an, dass wir noch lebendiger und offener für die vielen, die uns fernstehen, unseren Glauben leben. Kindergartenträger, Wohlfahrtseinrichtungen und Sozialverbände, bei denen Menschen sich engagieren können, gibt es viele. Aber das, was wir hier und heute gemeinsam tun, das ist – wirtschaftlich gesprochen – unser „Alleinstellungsmerkmal“, das ist das Größte was wir haben, das ist die Quelle unseres Vertrauens im Blick auf den Herrn, der uns mutig in die Zukunft senden will. Vielleicht sind all die Zukunftsfragen, die wir da anfanghaft diskutiert haben, Gottes ganz konkrete Anfragen an uns als Kirche im Bistum Passau, in jeder unserer Pfarreien. Martin Gutl hat diese Anfrage Gottes an Dich und an mich einmal so formuliert:

Warum zitterst du und läufst unruhig von einem Menschen zum ändern, um dich beraten zu lassen? Was hält dich ab, deine jetzigen Lebensumstände als Botschaft Gottes anzuerkennen? Warum siehst du nur Widrigkeiten und Hindernisse und nicht den Anlass, reifer und klarer zu werden? Warum erkennst du die Möglichkeit nicht, den Auftrag deines Daseins jetzt wahrzunehmen? Gott gibt dir die Gewissheit, dass alles einen Sinn hat!1

Amen.

 

1Aus: Martin Gutl/Wim van der Kallen, Du Quelle in der Wüste. Verlag Styria, Graz Wien Köln 1987.

 

(Text: Witti/Bild: Limmer)

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