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„Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören“ (Jer 20,7)

Predigt zum 22. Sonntag im Jahreskreis 2014 – Lesejahr A (Pfarrer Michael Witti)

Kirchham "St. Martin", Heimat- und Taufkirche von Michael Witti
Kirchham „St. Martin“, Heimat- und Taufkirche von Michael Witti

Liebe Schwestern und Brüder,

„Warum tust du dir das an?“ – So bin ich im Urlaub und auch früher schon von Freunden ab und an gefragt worden, wenn ich von meiner Arbeit erzählt habe. Vier Gemeinden, vier Kindergärten, mehrere große Baustellen, viele Gruppen und Gremien und dazu noch die Arbeit und die Termine als „Bischöflicher Beauftragter für Rundfunk und Fernsehen“.

„Warum tust du dir das an?“ – Was soll mag auf so eine Frage antworten?

Ich habe dann einfach von den Menschen in Feichten und Hart, in Heiligkreuz und Wald erzählt und wie ich seit nunmehr sieben bzw. drei Jahren mit ihnen lebe und arbeite. Ebenso hab ich von spannenden Erlebnissen und Begegnungen erzählt, mit den Leuten vom Radio und vom Fernsehen. Ich hab dabei aber schon auch manchmal skeptische Blicke gespürt, die mich nachdenklich gemacht haben. So gern ich hier bin und so sehr ich die vielfältigen Aufgaben auch schätze, kann das allein schon ein Grund sein, sich immer wieder all diesen Herausforderungen zu stellen? Eigentlich geht es doch um mehr – aber im Alltag mit seinen Terminen und Verpflichtungen verliert man das manchmal ein wenig aus dem Blick.

Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt… Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich, es auszuhalten, und konnte nicht.

So hat der Prophet Jeremia in der heutigen ersten Lesung schon vor Generationen die Frage beantwortet, warum er sich das alles in Gottes Namen antut. Und Jeremia spricht damit eigentlich auch mir aus dem Herzen.

Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt…

So gern ich hier auch lebe und arbeite, so gern ich die Menschen hier auch hab, letztlich ist ER der Grund, warum ich das tue. ER ist es, der mich betört hat, von dem ich mich so gerne habe betören lassen. Eine Ahnung davon, wie ER mich einst „betört“ hat – und wie er es immer wieder macht – habe ich, so oft wir hier gemeinsam mit IHM feiern. Die vielen hier, vom Kirchenschmuck, über die Mesner und Ministranten, die wunderbare Kirchenmusik, die Lektoren und Kantoren und alle, die immer und immer wieder hier gemeinsam beten und feiern, zeigen mir, lassen mich spüren, dass es das Kostbarste und Größte ist, das sich hier mit uns allen ereignet. Es ist immer wieder eine so wohltuende Stunde, ein geistliches Erlebnis. Es hier immer neu der Gott, der Dich und mich auch heute noch betören will. Diese Momente zeigen mir, wie schön es ist, mit diesem Gott zu leben. Das hilft mir immer wieder, die Aufgaben, Fragen und Probleme des Alltags in einem anderen Licht zu sehen.

Denn Jesus leugnet auch die Schwierigkeiten im Leben nicht. Er verspricht denen, die ihm folgen, erste einmal nichts anderes, als das Kreuz. Aber dieses Kreuz hat niemals das letzte Wort. Es will mir vielmehr helfen, mein Leben noch tiefer zu erfassen, auch die Schwierigkeiten und die dunklen Seiten in mein Leben zu integrieren. Auch in harten Stunden ist ER, der mich immer wieder „betören“ will, bei mir. ER zeigt mir den wahren Wert dieses Lebens, der eben nicht im materiellen Erfolg liegt. Alles Geld der Welt kann alleine nicht glücklich machen.

„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“

 

Meine Lieben,

bei all den Fragen, die mir persönlich im Blick auf die vielen Aufgaben und Anforderungen auch immer wieder kommen, wird mir eines immer wichtiger – und das allein soll die zentrale Aufgabe meines Lebens sein: Den Menschen von heute in Gottes Namen helfen, dass sie ein wenig davon spüren und erleben können, was Jeremia so wunderbar beschrieben hat:

Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt…

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