Gedanken zum Karfreitag

Provisorische Hauskapelle im Pfarrhaus Feichten am Karfreitag
Provisorische Hauskapelle im Pfarrhaus Feichten am Karfreitag

Meine Lieben,

„Der ist für mich gestorben!“ So sagt man manchmal unüberlegt im Ärger, wenn man mit einem Menschen nichts mehr zu tun haben will. Aus! Vorbei! Die Sache ist gelaufen! Der hat keine Chance mehr bei mir!

Noch schlimmer wird es, wenn ich jemandem ins Gesicht sage: „Du bist für mich gestorben.“ Das ist noch härter, weil hinter dem Du ein Mensch steht, zu dem ich eine Beziehung hatte, von dem ich enttäuscht bin, der mir weh getan oder mich verletzt hat.

Das sind Karfreitagssituationen, die wir Menschen immer wieder durchleben: Enttäuschung, Einsamkeit, Angst, Endgültigkeit, Krankheit, Leid und Tod. Immer wieder gibt es das Gefühl, dass alles aus ist, dass man da eben nichts mehr machen, nichts mehr richten oder wieder hinbiegen kann.

Das sind auch Situationen, die auch den Menschen bei der Passion Jesu nicht fremd sind:

Da ist Judas, der wohl aus tiefer Enttäuschung heraus Jesus verraten hat. Er wollte wohl einen Messias, der mit Macht und Entschiedenheit die politische Lage ändern sollte.

Ähnlich erging es auch Jesu Jüngern, die von menschlicher Furcht gepackt, einfach die Flucht ergriffen haben.

Sogar Petrus,  hat aus Angst seinen Freund verleugnet.

Ebenfalls aus Angst hat Pilatus Jesus – wider besseres Wissen – zum Tod verurteil. Es war die Angst eines Mächtigen, der um seine Macht fürchtete und so das Recht tödlich gebeugt hat.

Für sie alle war schon vor seinem Tod dieser Jesus gestorben.

Meine Lieben,

„Jesus, du bist für uns gestorben!“ Wenn wir diesen Satz heute in Gebeten und Lieder hören, klingt er plötzlich ganz anders. Klingt er fromm, für die, die glauben können, vielleicht sogar hoffnungsvoll. Und doch gehören beide Bedeutungen zutiefst zusammen.

Wenn ich im Anschluss das Kreuz enthülle, wenn ich vor dem Bild des gekreuzigten Jesus in die Knie gehe, schaut ER mich an, stellt ER mir die harte und doch so nötige Frage:

„Wer ist für dich schon – mitten im Leben – gestorben gewesen? Welche Menschen haben keinen Platz in deinem Leben, in deinen Gedanken? Auf welche Menschen schaust du herab? Welche Menschen sind für dich in deiner selbstgerechten Bürgerlichkeit einfach selber schuld, dass sie es zu nichts gebracht haben?“

So schaut ER mich dann vom Kreuz herab an. Und er sagt mir dann wohl noch etwas:

„Für all diese Menschen, die für dich gestorben sind, für alle, die in deiner wohlgeordneten Gesellschaft  keinen Platz haben, für alle, die so – neben dir – heute ihr Kreuz zu tragen haben, bin ich gestorben. Auf sie alle warte ich voll zärtlicher Sehnsucht mit weit ausgebreiteten Armen.“

Aber ER wäre nicht Jesus, wenn er nicht noch hinzufügen würde:

„Mit der gleichen Liebe warte ich heute auch auf DICH!“

Amen.

(Text und Bild: Witti)

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