„Wieviel Sicherheit braucht der Mensch?“

Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis 2014 – Lesejahr A (M. Witti)

Foto: Wanker/Feichten
Foto: Wanker/Feichten

Meine Lieben,

wie viele Versicherungen braucht der Mensch? Ich hab mir bis­her darüber keine großen Gedanken gemacht, bis mich vor einiger Zeit ein Vertreter einer großen Gesellschaft an­rief. Er meinte, gerade als Pfarrer bräuchte ich doch unbedigt ihre neueste Pflegetagegeldversicherung. Auf meinen Ein­wand, dass ich doch ohnehin bei eben der gleichen Gesell­schaft be­reits bestens krankenversichert sei, ging er nicht wirk­lich ein, denn man müsse ja immer auch mit dem Schlimmsten rech­nen. Ich erwiderte ihm, dass ich sogar bei dauerhafter Arbeits­un­fähigkeit vom Bistum Passau her abgesichert sei, aber auch das ließ er nicht gelten. Schließlich bekäme ich ja den Betrag aus­gezahlt, wenn ich ihn so und so lange nicht in Anspruch neh­men würde. Als ich meinte, dass ich zum Sparen das Geld dann wohl besser direkt und ohne Umweg über eine Versicherung anlegen sollte, meinte er wiederum: „Es geht doch um Ihre Sicherheit!“ – Meine Sicherheit, was soll man da noch da­ge­gen sagen. Wenig später war ein dickes Info-Paket der Versicherung in meinem Briefkasten.

Auch wenn dieses umfassende Angebot dann bei mir sehr schnell den Weg alles Irdischen in Richtung Papiertonne ge­gangen ist, so war jener Mitarbeiter am Telefon doch ganz her­vorragend. Denn er ver­stand es – besser als manch Pfarrer – eines der wesentlich­sten Bedürfnisse von uns heutigen Men­schen auf den Punkt zu bringen: SICHERHEIT.

Jeder Mensch braucht Sicherheit, denn dort, wo ich sie nicht ha­be, befällt mich die ANGST. Und Ängste gibt es viele in un­se­rer Zeit: Da ist die Angst um den Arbeitsplatz, die Angst um die Zukunft der Kinder und Enkel, die Angst vor Krank­heit und Gebrechen, die Angst vor Gewalt und Terror, die Angst vor der großen ökologischen Katastrophe und viele mehr. Noch schlim­mer ist es, wenn die Seele eines Menschen krank wird und Ängste, die die anderen oft gar nicht verstehen können, einen Menschen plagen.

„Angst essen Seele auf“, heißt es dazu in einem afrikanischen Sprich­wort.

Das Geschäft mit der Angst boomt: Nicht nur, dass ich mich heute alles mögliche und vieles fast schon unmögliche versichern kann, auch Sicherheitsdienste, Alarmanlagen und ähnliches mehr, haben Hochkonjunktur. Aber gibt mir das wirkliche innere Sicherheit? Gibt mir das die Gelassenheit, die ich mir in den Wech­selfällen des Lebens wirklich wünsche?

Egal, wie viel Geld ich investiere, absolute Sicherheit werde ich nie bekommen.

Drum schreibt wohl schon der Kinderbuchautor Erich Kästner: „Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!“

 

Meine Lieben,

aber dennoch darf ich gelassen bleiben. Dennoch muss ich nicht verzweifeln. Dreimal ruft mir Jesus im heutigen Evan­ge­lium zu: „Fürchtet euch nicht!“

Er will mir die sichere Geborgenheit geben, die ich in dieser Welt oft so schmerzlich vermissen. Es ist, als wolle er mir zu­ru­fen: „Ich bin doch bei dir! Ich kenne dich ganz genau und weiß, was du brauchst!“

Wie sehr er um mich weiß zeigt sein Bildwort, dass sogar die weniger werdenden Haare auf meinem Kopf alle gezählt sind. Dahintger steh eine letztlich ernsthafte Aussage:

Die Angst soll niemals das letz­te Wort haben. Gegen alle Angst will er mir die Hand reichen, verspricht er mir in die Hand hinein, dass er bei mir ist.

Über 370mal findet sich in der Bibel das Wort „Fürchte dich nicht!“ Es ist, als wolle es Gott selber mir für jeden Tag des Jahres mindestens einmal mitgeben. Gegen alle Angst will Gott mir Vertrauen schenken.

Er weiß um mich, auch in den Dingen, die ich vor anderen ger­ne verborgen halte – und es ist gut, dass er darum weiß, denn er liebt mich bedingungslos, so, wie ich bin.

Diese vertrauensvolle Liebesbeziehung Gottes ist stärker als al­le Angst: Ich bin zum Leben berufen, zu einem Leben, das mir niemand neh­men kann – und Gott selbst steht hinter mir und sagt „Ja!“ zu mir.

 

Meine Lieben,

es ist sicher sinnvoll, das eigene Leben finanziell möglichst optimal abzusichern. Aber weitaus wertvoller als die beste Ver­si­cherungspolice ist mir Jesu Zusage. Ganz ohne Beitrags­for­de­rung gilt sie nämlich jeden Tag neu für Dich und für mich:

„Mensch, fürchte dich nicht!“

Amen.

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