Gedanken zum FEST DER HEILIGEN FAMILIE Patrozinium der Pfarrei Hart an der Alz (Michael Witti)

Meine Lieben,
hat uns die „Heilige Familie“ heute wirklich noch etwas zu sagen?…
Kann man „Familie“ von damals, mit der Wirklichkeit 2013 vergleichen? Ein paar Beispiele:
Josef und Maria waren verlobt. Die Verlobung kam damals einer Ehe gleich. Der Unterschied bestand nur darin, dass Mann und Frau noch nicht zusammen gezogen sind. Da merkte Josef, dass Maria schwanger geworden ist. In ihm stiegen viele Fragen auf: Von wem ist Maria schwanger geworden? Bin ich betrogen worden? Kann ich da die Beziehung aufrecht halten?
Wie Josef dann reagiert ist imponierend. Er machte keine Anzeige. Nach dem damaligen Recht stand auf Ehebruch die Todesstrafe. Er will Maria nicht bloßstellen oder verurteilen lassen. Er will sie nach wie vor beschützen. Er liebt sie immer noch. Das ist bewundernswert. Er denkt daran, sich von Maria in aller Stille zu trennen. Auf diese Weise würde er vor den Leuten die Schuld auf sich nehmen.
Da spricht Gottes Engel im Traum zu ihm. Er erfährt, dass das Kind vom Heiligen Geist sei, dass ihm Gott seinen Sohn zur Pflege anvertraut. So wurde – ohne Vorwürfe und Verurteilungen – Neuanfang möglich; Liebe wurde noch größer.
Ich glaube, das Verhalten des Josef könnte auch heute oft Schule machen. Wenn sich Mann und Frau nur Vorwürfe machen, wenn sich Eheleute gegenseitig Schuld zuschieben, lösen sie keine Probleme. Sie vergiften vielmehr das Klima, zerstören das Vertrauen. Vielleicht kann man von Maria und Josef den Umgang in manch schwierigen Situationen lernen.
Dennoch war die idyllische Lebensplanung von Maria und Josef erst einmal dahin: Mit dem Kind wurde alles anders. Das ist in jeder Familie so. Die Geburt Jesu im Stall war  für Maria und Josef eine Zumutung. „Wie konnte Gott dieses Elend nur zulassen?“ Doch es herrschte kein Groll gegen Gott. Sie vertrauten dem, der andere Pläne hatte. ER will sich mit allen Menschen verbrüdern, auch mit den Armen und Obdachlosen. Und Josef und Maria haben die Aufgabe an den Plänen Gottes mitzuwirken.
Sind wir in unserem Leben, in unseren Familien, so offen, dass Gott durch uns für andere spürbar wird?
Bald kam für die Heilige Familie die nächste Prüfung: Josef erhielt im Traum von einem Engel die Weisung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“. Noch in der Nacht ließen sie alles zurück und flohen über den Gazastreifen nach Ägypten, waren heimatlose Asylanten.
Gott wollte sich damals und will sich heute mit allen Flüchtlingen verbrüdern wollte. Gott will sagen, dass er dem Menschen in jeder Situation beisteht. Tun wir das auch? Stehen wir den Flüchtlingen bei, die derzeit in unserem Landkreis Alötting nicht menschenwürdig untergebracht werden können? Lindern wir Notsituationen? Fremde aus Ägypten haben die heilige Familie aufgenommen und ihnen Asyl gewährt.

Meine Lieben,
die Beispielen von damals und heute ließen sich noch fortsetzen, bis zur Mutter, die unter dem Kreuz steht und schließlich ihren toten Sohn im Schoß hält.
Die „Heilige Familie“ war nicht immer das Idyll, das alte Bilder von ihr zeichnen. Aber es war eine kleine  Hausgemeinschaft, in der Liebe und gegenseitiges Vertrauen geholfen haben, die Probleme des Lebens zu meistern. Die Kraft dafür haben Maria und Josef aus dem Wort bekommen, das einst der Engel zu ihnen sprach: „Fürchtet Euch nicht!“
Ich wünsche es allen unseren Familien, dass sie diese Liebe erfahren dürfen, dass sie notfalls den Mut haben, zum Verzeihen und zum Neuanfang. Vor allem aber wünsche ich allen, dann, wenn sie es im Leben am meisten brauchen, so einen Engel, der Mut macht und spricht: „Fürchte dich nicht, Gott ist mit dir!“
Amen.

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