

was haben sie heute auf den Tag genau vor drei Jahren getan? Das mag auf den ersten Blick eine seltsame Frage sein. Aber mit ein wenig Hilfestellung erinnern sich sicherlich viele noch sehr genau an den Abend des 13. März 2013. Ich hatte in der Kirche ein Treffen mit Erstkommunioneltern, denen ich einen sehr kindgerechten Weg zur Erstbeichte vorgestellt hatte. Als ich noch mit ein paar Müttern in der Kirche geredet habe, klingelte mein Handy. Unser Gemeindeassistent war dran. Mit leicht vorwurfsvollem Unterton in der Stimme meint ich: „Was gibt’s denn? Du weißt doch, dass ich mit den Eltern in der Kirche bin…“ Daraufhin er nur kurz: „Weißer Rauch steigt auf! Du musst den Fernseher einschalten! Wir haben einen Papst…“ Schlagartig eilten alle nachhause. Ich schaltete die Kirchenglocken ein, die die Wahl des neuen Papstes verkünden sollten und wartete gespannt vor dem Fernseher. Die Tür hinter der großen Loggia des Petersdomes öffnete sich. Der Kardinalprotodiakon verkündete: „Habemus papam!“ Und es folgte ein für mich völlig nichtssagender Name: Jorge Mario Bergoglio
Und er fuhr mit der alten lateinischen Formel fort: „…qui sibi nomen imposui Franciscum.“ – „…welcher sich den Namen Franziskus gegeben hat.“ Ich war verblüfft. Allein schon der Name spricht ja Bände. Das ging mir nicht in den Kopf. Und da trat er heraus auf die Loggia. Meine Verblüffung wuchs noch: Kein Spitzenchorrock, keine purpurne Mozetta, kein Hermelin, nicht einmal die Stola hatte er umgelegt. In seiner weißen Soutane winkte er den Menschen zu und begrüßte sie mit einem schlichten „Buona Sera“ – „Guten Abend“. Bevor er die Menschen segnete, bat er sie um ihr Gebet und verneigte sich schweigend. Ich dachte mir nur im Stillen: „Hier beginnt etwas ganz Neues…“

Franziskus stellte so in Wort und Tat die soziale Frage vor aller Welt ganz neu. Zur Verwunderung vieler verknüpfte er diese soziale Frage immer mehr auch mit der Frage nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Ökologie. In bisher nie dagewesener Weise fasste Franziskus seine Gedanken zu diesen großen Zukunftsfragen dieser Welt zusammen in seiner Enzyklika „Laudato si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“, die er am 24. Mai letzten Jahres veröffentlicht hat. Seither begleitet mich dieses Schreiben. Immer wieder nehme ich es zur Hand und lerne daraus. Franziskus Worte bewegen mich, etwa wenn ich bei einer Beerdigung am offenen Grab Erde auf den Sarg werfe und dabei sage: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück…“ – Da geht es nicht nur darum, mir meine eigene Vergänglichkeit vor Augen zu halten. Ich und Du, wir alle hier, wir sind Teil dieser Erde, sind unweigerlich und unausweichlich mit dem Schicksal dieses blauen Planeten existentiell verbunden. Franziskus redete – gleich den indigenen Völkern des südlichen Amerika – hier auch von er „Mutter Erde“, wenn er seine Enzyklika mit den Worten beginnt:

Er sagt aber auch klar, dass diese unsere „Mutter Erde“ Achtsamkeit und Fürsorge braucht, weil sie Gewalt leidet, Gewalt im Blick auf die Natur, die der Schöpfer uns geschenkt hat, und Gewalt im Blick auf die Menschen, deren Lebensgrundlage durch Unrecht und Ausbeutung zerstört wird. Es gibt für Franziskus keine Fortschritte in der Ökologie, ohne Korrekturen in der Ökonomie, ohne wirkliche Anstrengungen für das soziale Wohl aller Menschen.
Aus Sorge um die Zukunft des Planeten Erde und um das Leben der Armen und der zukünftigen Generationen entwirft der Papst die Vision einer ganzheitlichen Ökologie, die davon ausgeht, dass letztlich alles miteinander verbunden ist. Die Krise des Planeten könnte eine Sternstunde sein, wenn sie den Menschen dazu verhilft, sich selbst wieder als Teil dieser Schöpfung zu verstehen und dementsprechend achtsam und nachhaltig zu leben.
Die Tugenden der „Genügsamkeit“ und der „Demut“ hält Franziskus einer Welt entgegen, die den schrankenlosen Konsum und das nie endende Wachstum vergöttert, auch wenn daraus für Millionen von Menschen die Hölle auf Erden entsteht, auch wenn die Zukunft dieses Planeten dadurch auf dem Spiel stehen sollte.

„Wir sind nicht Gott. Die Erde war schon vor uns da und ist und gegeben worden… Man hat gesagt, seit dem Bericht der Genesis, der einlädt, sich die Erde zu „unterwerfen“ (vgl. Gen 1,28), werde die wilde Ausbeutung der Natur begünstigt durch die Darstellung des Menschen als herrschend und destruktiv. Das ist keine korrekte Interpretation der Bibel… Es ist wichtig, die biblischen Texte in ihrem Zusammenhang zu lesen… und daran zu erinnern, dass sie uns einladen, den Garten der Welt zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl. Gen 2,15). Während „bebauen“ kultivieren, pflügen oder bewirtschaften bedeutet, ist mit „hüten“ schützen, beaufsichtigen, bewahren, erhalten, bewachen gemeint… Jede Gemeinschaft darf von der Natur das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hab aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten. Denn „dem Herrn gehört die Erde“ (Ps 24,1)…“

was heißt das, wenn wir das konkret auf unser Leben und Arbeiten, auf die tagtägliche Wirklichkeit unseres Bauernstandes hin bedenken? Bei vielen der großen Pläne zur Zukunft unserer Landwirtschaft wird vor allem, ja, die „Wirtschaft“ betont, weniger das „Land“. An den Börsen der Welt wird mit Ernten spekuliert, die noch lange nicht ausgesät sind. Preisspekulationen bringen auch hier einigen wenigen immense Gewinne, die selber noch nie einen Acker bestellt haben. Das Schicksal von Millionen Kleinbauern und bäuerlichen Betrieben scheint dabei ebenso wenig eine Rolle zu spielen, wie die Millionen von Menschen, die von Hunger bedroht sind, wenn zur Freude einiger weniger die Weizenpreise steigen. Die wirkliche Produktion von Lebensmitteln spielt bei all dem eigentlich keine Rolle mehr.
„Jede Gemeinschaft darf von der Natur das nehmen, was sie zu ihrem Überleben braucht, hab aber auch die Pflicht, sie zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten“, so sagt es Papst Franziskus.

Ein weiteres Beispiel zeigt einen Wandel im theologischen und ethischen Denken im Blick auf die Schöpfung: Papst Franziskus spricht in erstaunlicher Weise von den Tieren dieser Welt als Mitgeschöpfen. Ganz in der franziskanischen Tradition verwurzelt, zitiert er den heiligen Bonaventura.

Das ist eine außerordentliche Anfrage an die bisherige Theologie und eine noch viel größere Anfrage an unseren Umgang mit den Geschöpfen dieser Welt. Es heißt dann aber nichts anderes, als dass Gott sich in jedem Geschöpf dem Menschen zeigt.
Aber wie oft, sieht der Mensch, der hierfür noch ein inneres Auge hat, in unseren Mitgeschöpfen nur noch das Antlitz des leidenden Christus?Zeigt sich Gott für uns in den Geschöpfen, die ihres Lebensraumes beraubt elend zugrunde gehen? Zeigt sich Gott für uns in Tiertransporten, vor denen wir für gewöhnlich einfach die Augen verschließen? Zeigt sich Gott für uns, im Umgang mit den Nutztieren, die wir sicherlich für unseren wirklichen Bedarf halten dürfen, deren eigene natürliche Lebensbedürfnisse wir aber nur allzu oft ausblenden? Zeigt sich Gott für uns in den Haustieren die wir oft allzu sehr vermenschlichen und somit entgegen ihrer natürlichen Bedürfnisse auch ihrer eigentlichen Würde berauben? Zeigt sich uns Gott in den Mitgeschöpfen dieser Welt? Diese Fragen ließen sich noch erschreckend lange fortführen.

die Bewahrung der Schöpfung und die Achtung aller ihrer Geschöpfe ist immer und aufs Engste mit der sozialen Frage in aller Welt verbunden. Das lehrt uns Papst Franziskus, das spüren aber auch in besonderer Weise alle, die in der bäuerlichen Landwirtschaft arbeiten und leben. Die Sorgen um die Zukunft der bäuerlichen Betriebe hier in unserem Land haben die gleichen Ursachen, wie die Existenzsorgen und die zunehmende Verelendung vieler Kleinbauern in Afrika, Südamerika, Asien oder Ozeanien. Wenn ich den Worten von Papst Franziskus glaube, der die komplexen globalen Zusammenhänge hier durchleuchtet und mit biblischer Hermeneutik durchdringt, dann bricht er geradezu eine Lanze für die bäuerliche Landwirtschaft weltweit. Wirklich nachhaltig und getragen von den angesprochenen Tugenden der „Genügsamkeit“ und der „Demut“, verantwortungsbewusst und sozial gerecht kann nur eine regional verankerte, an den Bedürfnissen der Menschen wie der Umwelt orientierte Landwirtschaft sein. Nur dann können Betriebe hier in guter Weise in die Hand der nächsten Generationen übergeben werden, nur dann kann diese Welt den Kindern und Kindeskindern als lebenswerte Erde weitergereicht werden.


Dann kann heute und morgen wahr werden, was uns in der Lesung der Prophet Jesaja so visionär verkündet hat: „Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? … Die wilden Tiere werden mich preisen, die Schakale und Strauße, denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden.“
Amen.

In der Sendereihe „Unser Land“ des Bayerischen Rundfunks wurde am 8. März 2016, um 19.00 Uhr, ein sechsminütiger Beitrag von der Altöttinger Bauernwallfahrt gesendet. Sie finden den Beitrag des BR hier.
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