
mit den allerherzlichsten Grüßen aus dem oberbayerischen Feichten an der Alz hab ich Euch heute noch eine kleine Geschichte aus meiner niederbayerischen Heimat mitgebracht. Der Autor Wilhelm Diess erzählt darin von seiner Kindheit und davon was Heimat für ihn bedeutet hat. Denn das hat er erstmals gemerkt, als er als Bub in die Stadt, ins Gymnasium nach Passau, musste. Rückblickend erzählt er diese Kindheitserfahrung so:
„…als es an diesem Abend dunkel geworden ist und die Glocken vom Dom zur Nacht geläutet haben, laufe ich aus der Stadt, heimwärts. Man geht bei Tag und gutem Wetter bis in mein Dorf acht Stunden. Jetzt aber ist es stockfinstere Nacht, der Weg nass und schwer, und ein hartnäckiger Wind macht mir zu schaffen. Vier Stunden muss ich durch einen dichten Forst gehen, ich stehe entsetzliche Angst aus. Immer weiter laufe ich, durch viele schlafende Dörfer, vorbei an Höfen, Bäche entlang, hügelauf und hügelab, ohne einen anderen Gedanken: heim, heim…“
Diese Geschichte berührt mich immer wieder, wenn ich sie lese. Sie erinnert mich an die Heimat, in der ich aufgewachsen bin, an das Untere Inntal, das auf der einen Seite vom Rottaler Hügelland, auf der anderen vom mächtigen Inn und dem oberösterreichischen Innviertel begrenzt wird.

Auch wenn ich immer wieder umziehen musste, in den Bayerischen Wald und schließlich nach Oberbayer, nahe dem Chiemsee, auch wenn sich damit die Orte und Menschen, die ich „Heimat“ nenne immer wieder verändert haben, so ist das tiefe Gefühl der Geborgenheit doch immer das gleiche geblieben.
„Heimat“, das sind für mich Orte und Menschen, bei denen ich gern bin, weil ich mich bei ihnen nicht verstellen muss, weil ich der sein darf, der ich bin und als den Gott mich gemacht hat.
„Heimat“, die Orte und Menschen, die ich damit verbinde, sind mir im Laufe der Jahre immer kostbarer geworden.
„Heimat“ in diesem Sinne habe ich – ohne dass ich anmaßend sein möchte – auch hier bei Euch in diesem Tal ein klein wenig gefunden; eine „Heimat auf Zeit“, wenn ich hier immer wieder ein paar Tage und Wochen verbringen darf.


Auf die Fürsprache der Muttergottes im Heiligtum von Kaltenbrunn gebe Euch, Eurem Tal, Eurem Bezirk und Eurem schönen Land Gott selber seinen Segen dazu!
(Text/Fotos: Witti)
Pfarrverband Feichten die Pfarreien Feichten an der Alz, Hart an der Alz, Heiligkreuz und Wald
