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Die Macht der Straße und die Macht der Mächtigen – Palmsonntagspredigt

Meine Lieben,
sie schreien. Sie brüllen und johlen aus Leibeskräften. Viele wissen gar nicht, worum es geht. Aber die Menge reißt sie einfach mit. Sie lassen sich anstecken, stimmen in die lauten Schreie mit ein. Sie denken nicht nach, was sie da grölen. Das Hirn denkt nicht lange. Es ist das wogende Gefühl, das sie mitreißt – ein Massenphänomen. So schreien dort, am Stadttor von Jerusalem bald immer mehr:
„Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“
So brüllen sie, aufgewiegelt von der allgemeinen Stimmung. Viele kennen den gar nicht, um den es hier geht. Aber auch sie brüllen aus Leibeskräften. Sie denken nicht. Sie trauen einfach der gefühlten Wahrheit, ohne die Wirklichkeit zu kennen…

Nur wenige Tage vergehen. Wieder schreien sie. Wieder brüllen und johlen sie aus Leibeskräften. Wieder wissen viele gar nicht, worum es geht. Aber die Menge reißt sie einfach mit. Wieder lassen sie sich anstecken. Wieder stimmen sie in die lauten Schreie allzu willig mit ein. Wieder denken sie nicht nach, über das, was sie da grölen. Es ist wieder ein wogendes Gefühl, das sie mitreißt – wieder ein Massenphänomen. Doch diesmal schreien abgrundtief mit Hass erfüllt:
„Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“
Sie brüllen wieder aufgewiegelt von der allgemeinen Stimmung. Viele kennen den gar nicht, um den es hier geht. Aber auch sie brüllen aus Leibeskräften. Sie denken nicht. Sie trauen einfach der gefühlten hasserfüllten Wahrheit, ohne die Wirklichkeit zu kennen…
Hier endet die Macht der Mächtigen. Der Mob der Straße, brüllt Pilatus nieder. Wenige taktierende Hintermänner reichen, um diese Orgie des Hasses zu inszenieren. Sie flüstern ein, stacheln an, hetzen auf, hemmungslos ihre eigenen dunklen Ziele verfolgend. Sie haben die Masse auf dem Platz in der Hand. Der Mob der Straße brüllt Pilatus nieder.
Hier endet die Macht des Mächtigen. Hier beginnt die Angst vor der vermeintlichen Gewalt der Massen. Keiner denk mehr klar. Keiner fragt, ob der grölende Mob auf dem Platz wirklich für das ganze Volk spricht. Keiner denkt an die vielen im ganzen Land, die auf Jesu Seite stehen, sie mit ihm sympathisieren, die er geheilt und denen der Hoffnung geschenkt hat. Niemand denkt an sie, angesichts der hasserfüllten grölenden Masse des Mobs auf dem Platz.
Verglichen mit dem ganzen Volk sind es nur wenige. Doch sie sind laut, unüberhörbar, unübersehbar. Aufgestachelt von den Hintermännern wollen sie die öffentliche Meinung bestimmen – Diktatur der Straße gegen die schweigende Mehrheit.

Wenige nur stehen dahinter, reiben sich die Hände, freuen sich, dass die Saat des Hasses aufgeht.
„Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!“

Die Saat des Hasses ging auf, damals in Jerusalem.
Die Saat des Hasses geht auf, heute in Dresden und Freital und zu vielen anderen Orten unsers Landes.
Die Saat des Hasses geht auf in Europa und vielen Teilen der Welt.
Die Saat des Hasses geht auf, überall dort, wo Populisten Stimmung machen, wo wenige die Massen aufpeitschen.
Die Saat des Hasses geht auf, wo gefühlte Wahrheiten versuchen, die Wirklichkeit Lügen zu strafen und mit Füßen zu treten.
Die Saat des Hasses geht auf, auch heute noch – viel zu oft…

Mir bleibt in diesen Tagen nur die Frage dessen, der hilflos vom grölenden Mob das Recht beugen ließ.
Mir bleibt in diesen Tagen nur die Frage dessen, der machtlos seine Hände in Unschuld zu waschen versuchte.
Mir bleibt angesichts all dessen heute nur die Frage des Pilatus am Karfreitag:

Was ist Wahrheit?

(Text: Witti/Bilder: red.)

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