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75 Jahre Pfarrei Hart – Bericht und Predigttext

„75 Jahre Pfarrei Hart“, das feierten bei einem Festgottesdienst in Konzelebration (von rechts) Pfarrvikar Pater Nelson Parakkadath, Pfarrer Wolfgang de Jong, Pfarrer Michael Witti, Pfarrer i. R. Eduard Mayer, Pfarrer i. R. Franz Aicher und Gemeindereferent Nikolaus Pfeiffer.
„75 Jahre Pfarrei Hart“, das feierten bei einem Festgottesdienst in Konzelebration
(von rechts) Pfarrvikar Pater Nelson Parakkadath, Pfarrer Wolfgang de Jong,
Pfarrer Michael Witti, Pfarrer i. R. Eduard Mayer, Pfarrer i. R. Franz Aicher und
Gemeindereferent Nikolaus Pfeiffer.

„Es war die Sehnsucht nach Sicherheit, Zukunft, Geborgenheit, nach Heimat, aus der heraus die Pfarrgemeinde ,Zur Heiligen Familie’ hier in Hart vor 75 Jahren gewachsen ist“, so Pfarrer Michael Witti beim Festgottesdienst am vergangenen Samstag in der fast vollbesetzten Pfarrkirche. Die Pfarrgemeinde feierte das Fest „75 Jahre Gründung der Pfarrei Hart“, wozu inmitten des Kirchenschiffes eine efeugeschmückte und beschriftete Festtafel auf das Jubiläum hinwies. Efeu- und blumengeschmückt war auch die Marmortafel mit dem Bildnis von Expositus und ersten Seelsorger, Albert Hamberger, der sich als Erbauer der Kirche bis an die Grenzen des Menschenmöglichen verausgabt hat. Zum Erntedankfest zeigte sich die Kirche mit einem farbenfrohen Erntedankaltar, der vor dem Volksaltar mit Früchten und Blumen des Gartens errichtet war. Rund 250 Personen fanden sich anschließend zum Weinfest im Pfarrheim beziehungsweise aufgestellten Zelt ein. Der KAB-Ortsverband bewirtete die Besucher mit Speis und Trank und die mehrköpfige Band „Woid Boys and Girls“ sorgte mit musikalischen Klängen für Stimmung und Ausgelassenheit.

Beim Einzug in das Gotteshaus: die Ministrantenschar mit der Geistlichkeit.
Beim Einzug in das Gotteshaus: die Ministrantenschar mit der Geistlichkeit.

Nach feierlichem Kircheneinzug der Ortsvereine mit Fahnenabordnungen, der Ministrantenschar sowie der Geistlichkeit, begrüßte Pfarrer Michael Witti, Leiter des Pfarrverbandes Feichten, Hart, Heiligkreuz und Wald/Alz, als Mitzelebranten die ehemaligen Pfarrherrn von Hart-Wald/Alz, Pfarrer i. R. Eduard Mayer, Pfarrer Wolfgang de Jong, Pfarrer i. R. Franz Aicher, der 1974 in seiner Heimatpfarrei die Primiz feierte sowie den heute im Pfarrverband wirkenden Pfarrvikar Pater Nelson Parakkadath CMI sowie den Gemeindereferenten Nikolaus Pfeiffer.

Ein farbenprächtiges Bild: die Fahnenabordnungen der Ortsvereine.
Ein farbenprächtiges Bild: die Fahnenabordnungen der
Ortsvereine.

Kirchenmusikalisch umrahmt wurde der Festgottesdienst von der Chorgemeinschaft Hart-Wald/Alz mit vierstimmigen Festgesängen sowie Volksgesang mit Überchor unter Leitung von Organistin Rosmarie Staar. Erhebend zur Opferung das Danklied „Dank sei dir Herr“ von G. F. Händel. Fürbittgebete wurden von den nächstjährigen Erstkommunionkindern vorgetragen. „Es ist großartig, was in diesen siebeneinhalb Jahrzehnten aus dieser Pfarrei geworden ist“, stellte Pfarrer Michael Witti fest. In der Predigt blickte Pfarrer Michael Witti auf den aufstrebenden Industrieort Hart/Alz zurück, dessen Geschichte nach dieser Sehnsucht schon lange vor der Erhebung zur Pfarrei begann. Im Jahre 1916, als der Erste Große Weltenbrand den Wahnsinn und die Brutalität eines „modernen Krieges“ zeigte, wurde im Alztal das Wasserkraftwerk gebaut. Wenig später entstand dann – auch im Blick auf die Rüstungsindustrie des Kaiserreiches – das Carbidwerk, bis heute Lebensader für den Ort Hart und viele Menschen darüber hinaus. Viele sahen nach dem Krieg und dann in den Jahren der großen Wirtschaftskrise keine Zukunft für sich und die Ihren. Viele wanderten aus, gingen nach Übersee. Für viele war damals aber auch Hart an der Alz ein „Sehnsuchts- und Hoffnungsort“. Hier gab es Arbeit. Die Verantwortlichen des Werkes bemühten sich um Wohnungen und Baugrund. Straßenzug für Straßenzug entstand ein neuer Ort. Das kann man heute noch sehen, wenn man vom Werk kommend die Frank-
Caro-Straße entlangfährt, die an die großen Gründergestalten erinnern soll, so Witti. Menschen fanden hier Arbeit und Wohnung. Sie sollten aber auch eine wirkliche Heimat, ein menschliches und auch geistliches Zuhause finden. Pfarrer Joseph Able aus Margarethenberg erkannte diese Herausforderung. Er erbat beim Bischöflichen Ordinariat Passau die Erlaubnis zum Kirchenbau in Hart. Gottesdienste im Wirtshaussaal konnten keine dauerhafte Lösung sein.

Gedenktafel für Albert Hamberger
Gedenktafel für Albert Hamberger

Der Hilfspriester Albert Hamberger nahm sich in geradezu congenialer Weise dieser großen Aufgabe an. Das Carbidwerk hat das Projekt tatkräftig unterstützt, aber es mangelte dennoch immer wieder an allen Ecken und Enden. Hamberger, der einst Architekt werden wollte, berechnete die Statik, zeichnete die Pläne, überwachte den Bau. Immer wieder stand er auch mit seinem bescheidenen Privatvermögen für den Kirchenbau gerade. Reichtümer und große Stiftungen – so wie andernorts in der Region – standen hier keine am Anfang dieser Gemeinde – und sie tun es im Blick auf aktuelle Maßnahmen und Wünsche bis heute nicht. Aber es gab – und es gibt – hier in Hart etwas viel wertvolleres, ohne das es damals nicht möglich gewesen wäre, das alles zu schaffen und ohne das es heute nicht möglich wäre, lebendig Kirche zu sein. Es gab hier zu allen Zeiten und es gibt hier heute Menschen, die sich mit aller Liebe, Kraft und Fantasie einsetzen, damit hier Jesu Geist spürbar wird. Es waren diese engagierten Menschen, die einst den Kirchenbau geschafft haben, gemeinsam mit Expositus Albert Hamberger, der sich hier bis an die Grenzen des Menschenmöglichen verausgabt hat. Als er aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst
hier beenden musste, war die Grundlage geschaffen, auf der seither diese Pfarrgemeinde lebt und wächst. Die Sehnsucht hat hier Menschen verschiedenster Herkunft zusammengeführt, integriert, zu einer lebendigen Pfarrfamilie gemacht, so Pfarrer Witti.
Überleitend auf das Erntedankfest, dankte Pfarrer Witti für diese große „Lebensernte“ der Pfarrei in den vergangenen 75 Jahren aufrichtig Gott. Im Namen aller, die hier leben und Heimat finden durften, dankte Pfarrer Witti für die vielen aktiven und überzeugten Christen, mit denen auch diese Gemeinde gesegnet ist. Es sind diese engagierten Menschen, diese überzeugten Christen, die hier etwas Großartiges
geschaffen und erhalten haben. Am Erntedankfest sagte Pfarrer Witti allen Engagierten ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“. Am Erntedankfest und auch zukünftig versuche man gemeinsam hier in der
Pfarrgemeinde Jesu Fußspuren zu folgen, so wie es Lothar Zenetti in einem Gedicht beschreibt: „Zum Geben und Nehmen will Gott uns befrein, wir sterben und leben, wir sind nicht allein.“

(Text/Bilder: Wastl)

 

Festpredigt „75 Jahre Pfarrei Hart“ von Pfarrer Michael Witti

Meine Lieben,

am Anfang stand die Sehnsucht. Es war die Sehnsucht, nach Sicherheit, nach Zukunft, nach Geborgenheit, nach Heimat, aus der heraus unsere Pfarrgemeinde „Zur Heiligen Familie“ hier in Hart gewachsen ist. Die Geschichte dieser Sehnsucht begann schon lange vor der Erhebung zur Pfarrei. 1916, als der Erste Große Weltenbrand den Wahnsinn und die Brutalität eines „modernen Krieges“ zeigte, wurde hier das Wasserkraftwerk gebaut. Wenig später entstand dann – auch im Blick auf die Rüstungsindustrie des Kaiserreiches – das Carbidwerk, bis heute Lebensader für den Ort Hart und viele Menschen darüber hinaus. Viele sahen nach dem Krieg und dann in den Jahren der großen Wirtschaftskrise keine Zukunft für sich und die Ihren. Viele wanderten aus, gingen nach Übersee – auch aus meiner Familie. Für viele war damals aber auch Hart an der Alz ein „Sehnsuchts- und Hoffnungsort“. Hier gab es Arbeit. Die Verantwortlichen des Werkes bemühten sich um Wohnungen und Baugrund. Straßenzug für Straßenzug entstand einer neuer Ort. Das kann man heute noch sehen, wenn man vom Werk kommend die Frank-Caro-Straße entlangfährt, die an die großen Gründergestalten erinnern soll.

Menschen fanden hier Arbeit und Wohnung. Sie sollten aber auch eine wirkliche Heimat, ein menschliches und auch geistliches Zuhause finden. Pfarrer Joseph Able aus Margarethenberg erkannte diese Herausforderung. Er erbat beim Bischöflichen Ordinariat Passau die Erlaubnis zum Kirchenbau in Hart. Gottesdienste im Wirtshaussaal konnten keine dauerhafte Lösung sein. Der Hilfspriester Albert Hamberger nahm sich in geradezu congenialer Weise dieser großen Aufgabe an. Das Carbidwerk hat das Projekt tatkräftig unterstütz, aber es mangelte dennoch immer wieder an allen Ecken und Enden. Hamberger, er einst Architekt  werden wollte, berechnete selbst die Statik, zeichnete die Pläne, überwachte den Bau. Immer wieder stand er auch mit seinem bescheidenen Privatvermögen für den Kirchenbau gerade.

Reichtümer und große Stiftungen – so wie andernorts in der Region – standen hier keine am Anfang dieser Gemeinde – und sie tun es im Blick auf aktuelle Maßnahmen und Wünsche bis heute nicht. Aber es gab – und es gibt – hier in Hart etwas viel wertvolleres, ohne das es damals nicht möglich gewesen wäre, das alles zu schaffen und ohne das es heute nicht möglich wäre, lebendig Kirche zu sein. Es gab hier zu allen Zeiten und es gibt hier heute Menschen, die sich mit aller Liebe, Kraft und Fantasie einsetzen, damit hier Jesu Geist spürbar wird. Es waren diese engagierten Menschen, die einst den Kirchenbau geschafft haben, gemeinsam mit Expositus Albert Hamberger, der sich hier bis an die Grenzen des Menschenmöglichen verausgabt hat. Als er aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst hier beenden musste, war die Grundlage geschaffen, auf der seither diese Pfarrgemeinde lebt und wächst.

Am 1. August 1938 übernahm Georg Danner die Expositur Hart. Wenig später dann, im Jahr 1941, also vor nunmehr 75 Jahren, wurde Hart zur Pfarrei erhoben. Auf Pfarrer Danner folgten dann  1970 Pfarrer Eduard Ertl und 1973 Pfarrer Wilhelm Krammer. 1974 hat Franz Aicher hier seine Primiz gefeiert. Der Pfarrverband mit Wald entstand in der folgenden Zeit. 1989 hat Eduard Mayer die Pfarrei Hart verliehen bekommen. Von 2000 bis 2002 war Dr. Hans Rechenmacher Pfarrer im Pfarrverband und in der Folgezeit dann bis 2011 Wolfgang de Jong. Seit dann die Pläne für größere Seelsorgsräume aufgrund des Priestermangels umgesetzt wurden, darf ich auch Pfarrer von Hart sein. Unser Pater Nelson lebt seither hier im Pfarrhaus.

Meine Lieben,

am Anfang stand die Sehnsucht nach Zukunft, nach Sicherheit, nach Heimat. Diese Sehnsucht hat hier Menschen verschiedenster Herkunft zusammengeführt, integriert, zu einer lebendigen Pfarrfamilie gemacht. Wenn wir heute auch das Erntedankfest feiern, dann möchte ich auch für diese große „Lebensernte“ unserer Pfarrei in den vergangen 75 Jahren aufrichtig Gott danken. Ich möchte ihm im Namen aller, die hier leben und Heimat finden durften danken, für die vielen aktiven und überzeugten Christen, mit denen er auch diese Gemeinde hier gesegnet hat. Es sind diese engagierten Menschen, diese überzeugten Christen, die hier etwas Großartiges geschaffen und erhalten haben. Am Erntedankfest möchte ich daher heuer auch allen Engagierten ganz herzlich „Vergelt’s Gott“ sagen! Am heutigen Erntedankfest und an jedem neuen Tag, den Gott uns schenken will, versuchen wir gemeinsam hier in der Pfarrgemeinde Jesu Fußspuren zu folgen, so wie es Lothar Zenetti in einem Gesicht sehr schön beschreibt:

Zum Geben und Nehmen will Gott uns befrein, wir sterben und leben, wir sind nicht allein. Wenn einer voller Leben ist, dann helfe er den Schwachen, so mancher Mensch kann fröhlich sein, so mancher kann nicht lachen. Wenn einer viel sein Eigen nennt, dann teil er’s mit den Armen, so mancher lebt für sich allein, so mancher braucht Erbarmen. Aus Körnern und Reben wird Brot und wird Wein, wir essen und trinken, der Herr lädt uns ein. Kann sein, dass du heut Tränen weinst, nicht jeder kann das: weinen. Kann sein, dass du den Glauben hast, so viele haben keinen. Kann sein, dass du heut glücklich bist, versuch das Glück zu teilen. Sieh doch den Menschen neben dir, vielleicht kannst du ihn heilen. Zum Geben und Nehmen will Gott uns befrein, wir sterben und leben, wir sind nicht allein.1

Amen.

1Aus Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag 2006.

 

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