Die Kirche und das Geld – Predigt 18. Sonntag im Jahreskreis 2016 – C

Limmer - GeldMeine Lieben,

„Du Narr, wem wird das alles dann einmal gehören?“ – Diese Warnung aus dem Evangelium gibt mir – gemeinsam mit vielen Mitbrüdern – in diesen Tagen besonders zu denken. Das Bistum Passau hat seine Finanzen offen gelegt. Die Zahlen, die einer üblichen Handelsbilanzierung entsprechen, wurden am Dienstag in der Presse veröffentlicht. Am Mittwochabend wurden sie uns Pfarrern und den Kirchenpflegern noch ausführlicher erläutert. Gut, im Vergleich zu den rund 6,3 Milliarden der Erzdiözese München und Freising mögen die insgesamt gut 715 Millionen des Bischöflichen Stuhles von Passau, der Diözese Passau, der Emeritenanstalt für die Ruhestandsgehälter der Priester und das eher geringfügige Eigenkapital des Domkapitels fast schon bescheiden erscheinen. Arm ist das Bistum Passau definitiv nicht.

Aber – im Blick auf das heutige Evangelium – nimmt uns das als Kirche auch in die Pflicht. Wofür nutzen wir dieses Geld? Das Bistum Passau mit seiner Caritas ist einer der größten Arbeitgeber, gerade auch in der strukturschwachen Region des Bayerischen Waldes. Wir sind Träger von Schulen und sozialen Einrichtungen. Wir erhalten über 300 Pfarreien mit ihren Gebäuden. Allein hier in unserem Pfarrverband haben wir weit über 50 Personen mit kirchlichen Arbeitsverträgen.

Nicht eingerechnet in diese Bilanz sind die weit über 300 Kirchenstiftungen, die wir als eigenständige Körperschaften mit unseren Kirchenverwaltungen unter Aufsicht der Bischöflichen Finanzkammer verwalten. Auch hier sind es nicht nur Gebäude, sondern auch Zuschüsse für Kindergärten, Einkehrtage von Schülern, soziale Hilfen und vieles mehr, das hieraus bestritten wird. Der Haushalt der Pfarrei liegt alljährlich öffentlich auf, aber leider interessiert sich kaum jemand dafür.

Aber im Großen der Diözese, wie im Kleinen der Pfarrei, nimmt uns das alles auch immer in die Pflicht. Papst Franziskus macht durch sein Reden und noch mehr durch sein Tun, diese Verpflichtung für mich noch drängender. Worum geht es mir als Priester? Worum geht es uns als Kirche, als Pfarrgemeinde vor Ort?

Der heutige Münsteraner Bischof Felix Genn hat es vor Jahren bei einem Vortrag in Passau einmal sehr deutlich gesagt: „Eine Gemeinde, die ihre Armen nicht kennt, hat eigentlich kein Recht, Jesu Gegenwart in der Eucharistie zu feiern.“

Gehe ich zu denen, in denen mir Christus hier vor allem anderen begegnen will? Welchen Stellenwert haben diese Armen wirklich hier bei uns, auch wenn nicht gerade mal wieder für eines der großen Hilfswerke gesammelt wird? Das Evangelium wirft heute viele bohrende Fragen auf, Fragen, die  zu wichtig sind, als dass man sie mit ein paar knappen Bilanzen abtuen könnte.

Meine Lieben,

ich will und ich kann heute auch keine Musterlösung liefern. Ich will Euch aber einladen, diese bohrende Gewissenfrage mitzunehmen. Stellt Euch selbst, unsere Gesellschaft und unsere Kirche damit immer wieder in Frage. Provoziert Euch und andere damit im Namen Jesu so, wie es dieses Gedicht hier versucht:

Zugegeben Geld ist wichtig ich muss die Miete zahlen damit ich ein Dach über dem Kopf habe ich muss Brot Butter Obst kaufen damit ich leben kann und ab und an eine Flasche Wein ich muss die Reparaturrechnung fürs Auto überweisen und den Beitrag für die Berufsgenossenschaft: und das Finanzamt holt sich sein Geld im Einzugsverfahren

zugegeben wenn ich zu wenig Geld habe um Miete Lebensmittel Telefon und Kleidung zu bezahlen dann wird das Geld noch wichtiger und wenn es erst soweit ist dass der Vermieter kündigt weil ich nicht bezahlen kann der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht ich Lebensnotwendiges nicht mehr kaufen kann dann ist das mit dem Geld todernst zugegeben

und trotzdem das wirklich Wichtige lässt sich auch mit noch so viel Geld nicht kaufen Gesundheit zum Beispiel Freundschaft und Liebe der frohe Gesang der Amsel am Abend der rotglühende Sonnenaufgang das Lächeln des Freundes die rücksichtsvolle Geste des Nachbarn das zarte Grün des Frühlings die bunten Farben des Herbstes die schmale Sichel des Mondes

bei aller Notwendigkeit bleibt Geld doch ein irdisches Zahlungsmittel und entlarvt sich damit selbst in seiner Vorläufigkeit im Reich Gottes wird anders gerechnet da zählen

Glaube

Hoffnung

Liebe*

Amen.

 

*Aus: Anselm Grün / Andrea Schwarz, Und alles lassen, weil Er mich nicht lässt. © Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2009

(Text: Witti/Foto: Limmer)

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