„Komm, folge mir…“ – Neue Wege wagen

Limmer Baum WegMeine Lieben,

„Willst du das wirklich machen?“ – Skeptische Blicke begleiten nicht selten diesen Satz. Egal, ob jemand beruflich neue Wege geht, eine Aufgabe oder auch ein Ehrenamt übernimmt, ob er oder sie vielleicht privat einen neuen Aufbruch wagt, eine Partnerschaft eingeht oder mit einem Umzug ein neues Lebensumfeld gestaltet. Immer wieder kann da von anderen die Frage kommen: „Willst du das wirklich machen?“

Die Fragenden meinen das meist nicht böse. Im Gegenteil, sie kennen und schätzen die Gefragten, wollen nicht, dass er oder sie sich auf etwas einlässt, das man später bereuen könnte.

„Willst du das wirklich machen?“ – Ich erinnere mich an liebe Bekannte, die mir diese Frage mit großer Anteilnahme und ehrlichem Interesse gestellt haben, als ich mit dem Beginn des Theologiestudiums ins Passauer Priesterseminar eingetreten bin. Intensive Gespräche und tiefe Freundschaften haben sich aus dieser anfangs durchaus skeptischen Frage ergeben. Im Nachhinein hat mir dieses „Infragestellen“ sogar geholfen, meine Entscheidung immer wieder zu überdenken und sie dadurch auch reifer und fester werden lassen. Der Zweifel gehört ganz eng zu einem echten gewachsenen und wachsenden Glauben, so hab ich es später im Studium gelernt und auch positiv erfahren.

„Kommt her, folgt mir nach“, so ruft Jesus im Evangelium dieses Sonntags dem Andreas und seinem Bruder Simon zu. Die beiden Fischer lassen alles stehen und liegen und folgen ihm. So schnell und so radikal geht das sicher nicht bei jedem Menschen. Ich selber brauchte da wesentlich länger. Aber ich denke, es ist nebensächlich, wie lange ich brauche, um mich zu entscheiden. Was alleine zählt ist das Vertrauen in den der mich ruft, der mir ganz neue Wege zutraut – manchmal vielleicht auch zumutet. Was allein zählt ist das sichere Gefühl, jemanden an der Seite zu haben, der mitgeht und mit dem auch ein ganz neuer Weg bereichernd und begeisternd für mich werden kann.

Andreas und Simon spürten das wohl, als Jesus sie am See gerufen hat. Ich selber durfte das bei vielen Aufbrüchen und Neuanfängen meines Lebens spüren.

 

Meine Lieben,

für alle künftigen Neuanfänge, für jeden Ruf des Lebens, der immer auch ein Ruf Gottes ist, wünsche ich Ihnen und mir das Vertrauen, das einst ein Simon und ein Andreas aufbringen konnten.

Ein Gebet sagt das in wunderbaren Worte so:

 Du Gott des Aufbruchs, segne uns, wenn wir dein Rufen vernehmen, wenn deine Stimme lockt, wenn dein Geist uns bewegt zum Aufbrechen und Weitergehen. Du Gott des Aufbruchs, begleite und behüte uns, wenn wir aus Abhängigkeiten entfliehen, wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden, wenn wir festgetretene Wege verlassen, wenn wir dankbar zurückschauen und doch neue Wege wagen. Du Gott des Aufbruchs, wende uns dein Angesicht zu, wenn wir Irrwege nicht erkennen, wenn uns Angst befällt, wenn Umwege uns ermüden, wenn wir Orientierung suchen in den Stürmen der Unsicherheit. Du Gott des Aufbruchs, leuchte auch unserem Weg, wenn Ratlosigkeit uns fesselt, wenn wir fremde Lande betreten, wenn wir Schutz suchen bei dir, wenn wir neue Schritte wagen auf unserer Reise nach innen. Du Gott des Aufbruchs, mach uns aufmerksam, wenn wir mutlos werden, wenn uns Menschen begegnen, wenn unsere Freude überschäumt, wenn Blumen blühen, die Sonne uns wärmt, Wasser uns erfrischt, Sterne leuchten auf unserem Lebensweg. Du Gott des Aufbruchs, sei mit uns unterwegs zu uns selbst, zu den Menschen, zu dir. So segne uns mit deiner Güte und zeige uns dein freundliches Angesicht. Begegne uns mit deinem Erbarmen und leuchte uns mit dem Licht deines Friedens auf allen unseren Wegen. Amen.[1]

[1] Aus: Annegret Kokschal / Peter Kokschal, Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag, Leipzig 2004.

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