Christkönigspredigt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt…“

116_0564Meine Lieben,

Sie sind immer gut für die Klatschspalten der Regenbogenpresse, die Royals, die bekannteren oder unbekannteren gekrönten Häupter der alten Königshäuser. Politisch fallen sie zwar heute nicht mehr ins Gewicht, aber sie stehen trotz mancher Skandale und Skandälchen doch immer wieder für eine glanzvolle Welt, an der wir vermeintlich „normale“ Menschen nur über bunte Bilder und Berichte teilhaben können. Umso mehr geht für viele eine riesige Faszination von diesen angeblich so erhabenen Königen aus.

Da ist dann der König, der uns heute im Evangelium präsentiert wurde, ein absolutes Kontrastprogramm. Machtlos und gedemütigt harrt er seiner Verurteilung durch den Statthalter Pilatus: keine Lichtgestalt, zu der man aufschauen möchte.

Und doch spricht er gerade in dieser heiklen Situation von sich als König: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt… Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege…“

Dieser König ist wirklich nicht von dieser Welt, weder in seinem Auftreten, noch in seinen Worten und erst recht nicht in seinem Handeln. Wenig hat er gemeinsam mit den Mächtigen damals wie heute. Aber vielleicht macht gerade das auch seine ganz eigene Faszination aus. ER ist ermutigend anders – und genau darauf warten die Menschen damals, wie heute… Dabei sind die Konsequenzen, die dieser Christus als König fordert oft noch viel weitreichender, als die, manch anderer Mächtiger, die sich vorwiegend in ihrem Glanz nur suhlen.

Papst Franziskus hat in seiner großartigen Enzyklika „Laudato si“ versucht zu skizzieren, wie eine Welt ausschauen könnte, in der die Menschen diesem ganz anderen König folgen.

„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ Diese Frage steht für Franziskus im Zentrum. Er fährt fort: „Diese Frage betrifft nicht nur die Umwelt in isolierter Weise, denn es ist unmöglich, das Problem fragmentarisch anzugehen“ Das stellt die Frage nach dem Sinn unserer Existenz und ihrer Werte als Grundlage des sozialen Lebens: „Wozu gehen wir durch diese Welt, wozu sind wir in dieses Leben gekommen, wozu arbeiten wir und mühen uns ab, wozu braucht uns diese Er­de? … Wenn diese grundlegende Frage nicht im Hintergrund mitschwingt, glaube ich nicht, dass unsere ökologischen Bemühungen bedeutende Wirkungen erzielen können“, so Franziskus.

In geradezu prophetischen Worten mahnt er eine nachhaltige Ökologie an, den Respekt vor der Schöpfung, die Hege und Pflege und den Erhalt der Artenvielfalt um ihrer selbst willen. Er zeigt aber auch deutlich auf, dieser diese Art des respektvollen und nachhaltigen Umgangs mit der Schöpfung immer auch eine soziale Dimension hat und haben muss. Die Armen dieser Welt sind immer die Verlierer, wenn die Reichen die Natur hemmungslos ausbeuten. Sie leiden als erste existentiell unter dem längst schon fortschreitenden Klimawandel mit dem Verlust der Ernten, ja der Heimat und somit jeglicher Lebensgrundlage. Genauso sind sie die Verlierer, wenn kleinbäuerliche Strukturen zerschlagen werden, um großen und weiß Gott nicht nachhaltigen Plantagen und Agrarfabriken zu schaffen.

Der Papst sieht hier die Quelle so vieler Ungerechtigkeiten. Er sieht das als Ursache, die nicht nur den Frieden, sondern letztlich die gesamte Zukunft der Menschen bedroht. Der Papst ermutigt alle Menschen guten Willens „auf einen anderen Lebensstil [zu] setzen“, der die Möglichkeit eröffnet, „einen heilsamen Druck auf diejenigen auszuüben, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen“

Meine Lieben,

verglichen mit den bunten Bildern unserer Regenbogenpresse sind die Konsequenzen, die Christus als König von uns fordert, für viele sicher eine Zumutung. Er ist eben der ganz andere König. Er ist der König der Armen und Elenden, der König der Bettler, der König der Heiligen, aber auch der Sünder. Er zeigt mir, worauf es wirklich ankommt und was wahre Größe ist. Denn dieser König breitet noch am Marterpfahl des Kreuzes die Hände aus für alle, die ihre eigenen Kreuze zu tragen haben und für diese ganze geschundene Welt. In den Armen dieser Welt und in ihrer geknechteten und ausgebeuteten Schöpfung begegnet er mir auch heute noch…

Amen.

(Text: Witti/Foto: Limmer 2010)

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